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Kann der Euro sich länger einer defensiven EZB und schwachen Daten widersetzen?

Kann der Euro sich länger einer defensiven EZB und schwachen Daten widersetzen?

2017-07-24 09:00:00
Ilya Spivak, Senior Währungsstratege
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Kann der Euro sich länger einer defensiven EZB und schwachen Daten widersetzen?

Fundamentalprognose für den Euro: Neutral

  • Der Euro macht einen Höhenflug, während eine defensive EZB sich bemüht, Kapitalzuflüsse abzuwehren
  • Schwache Datenergebnisse und drohende Kommentare könnten die Entschlossenheit der Bullen untergraben
  • In unserer Prognose für das dritte Quartal erfahren Sie, was den Euro langfristig treibt

Was sagen die Kauf- und Verkaufsentscheidungen von Privat-Tradern über den Kurstrend des Euro aus? Hier können Sie es herausfinden!

Der unnachgiebige Aufwärtsmarsch des Euro fand letzte Woche keinen Einhalt. Selbst eine klar defensive geldpolitische Erklärung der EZB vergangene Woche schaffte es nicht, die Zugewinne aufzuhalten. Tatsächlich schien der Zinsentscheid einer Kaufwelle Tür und Tor zu öffnen, ganz so, als hätten die Bullen nur auf eine Klärung der Lage gewartet.

Laut den Nachrichtenmeldungen hielten die Anleger sich an einen bestimmten Kommentar des EZB-Präsidenten Mario Draghi während der Pressekonferenz nach der Sitzung, in dem er äußerte, dass das QE-Programm im Herbst noch einmal geprüft werde. Als er gefragt wurde, ob das im Rahmen der geldpolitischen Sitzung im September bedeute, erwiderte er leicht ungehalten, dass wenn dem so wäre, er es so gesagt hätte.

Haben die Märkte sich in einem Meer defensiver Rhetorik die eine pseudo-unterstützende Äußerung herausgefischt, um eine explosive Euro-Rally zu rechtfertigen? Vielleicht. Aber die Erklärung scheint bizarr, da eine erneute Betrachtung des Volumens der Anlagenankäufe sowie eine aktualisierte Prognose weithin für September erwartet wurden.

Gleichzeitig haben sich die Spekulationen entweder von den Fundamentalmeldungen gelöst oder es geht hier nicht wirklich um die Geldpolitik. In den nächsten Tagen könnte es zu einer stark benötigten Klärung kommen, wenn Top-Tier-Wirtschaftsdaten und offizielle Kommentare in die Öffentlichkeit kommen.

Die vorläufigen Zahlen der PMI-Erhebungen für den Monat Mai der Eurozone und die deutschen VPI-Zahlen folgen in der nächsten Woche aufeinander. Für beide wird erwartet, dass sie abwärtsgerichtet sind. Das Tempo der Arbeitsplatzschaffung ist so langsam, wie seit Februar nicht mehr, und die Gesamtteuerung ist zurück auf 1,5 Prozent gefallen, was dem Sechs-Monats-Tief, das im Mai erreicht worden war, entspricht.

Die Meldungen aus dem Währungsblock haben sich seit Anfang des Monats gegenüber den Konsensprognosen verschlechtert, was darauf hindeutet, dass die Analystenmodelle die Wirtschaftskraft möglicherweise überschätzen. Das bereitet den Weg für weitere Abwärtsüberraschungen, was die Argumente für eine straffungsorientierte Wende der Geldpolitik schwächt.

Was die Kommentare betrifft, wird Frank Smets, Generaldirektor der Volkswirtschaftlichen Abteilung der EZB, eine Rede halten. Er könnte einen Vorgeschmack auf die Richtung der kommenden, aktualisierten Prognose geben. Sollten seine Äußerungen der defensiven Haltung Draghis entsprechen, werden sich die Argumente für eine unmittelbar bevorstehende Straffung noch schwerer verteidigen lassen.

Die Reaktion des Euro auf diese Entwicklungen könnte sich als vielsagend erweisen. Falls der Kurs unter der Last enttäuschender Schlagzeilen nachgeben sollte, könnte wieder eine gewisse Sensibilität gegenüber den Fundamentaldaten entstehen. Falls die Meldungen besser als erwartet ausfallen und die Rally sich fortsetzen sollte, wäre auch das ein ermutigender Hinweis auf eine Normalisierung.

Andererseits könnte ein stures Vorantreiben auf höhere Hochs vor einem Hintergrund, der ansonsten von negativen Entwicklungen gekennzeichnet ist, für eine spekulative Überdehnung sprechen. Falls die Rally wirklich nur mit heißer Luft laufen sollte, könnte uns schon bald eine heftige Kehrtwende bevorstehen.

In der Praxis würde solch eine Wende sich wahrscheinlich am deutlichsten in einer Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar, dem Yen und dem Britischen Pfund äußern. Diese Währungen haben dem Euro gegenüber selbst dann gelitten, als der Rohstoffblock über die vergangenen zwei Monate hinzugewinnen konnte, möglicherweise weil die EZB in den erwarteten geldpolitischen Rankings aufgestiegen ist.

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