Der S&P 500 Volatilitäts-Index: Einführung

  • Trader sollten genau auf den „VIX“ bzw. CBOE Volatilitäts-Index achten wenn sie größere Indizes wie den S&P 500 handeln.
  • Die Korrelation zwischen S&P 500 und VIX ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, warum die Beziehung zwischen dem Aktienmarkt und dem VIX auch das „Angst-Barometer“ genannt wird.

In diesem Artikel befassen wir uns damit, wie der VIX aufgebaut ist, mit seiner inversen Beziehung zum S&P 500 und damit, wie Trader den VIX in ihre Tradingstrategien für den Aktienmarkt mit einbeziehen können.

Was ist der VIX im Aktienmarkt?

Der VIX wurde 1990 von der Chicago Board Options Exchange (CBOE) entwickelt. Er soll als Benchmark zum Messen der Erwartungen für die zukünftige Volatilität im Aktienmarkt dienen. Es ist ein Index in Echtzeit, der die Erwartungen der Marktteilnehmer für die Volatilität über die nächsten 30 Tage reflektiert.

Auf ganz grundlegender Ebene ist der VIX-Index unter Verwendung wöchentlicher und herkömmlicher SPX-Indexoptionen und ihren Niveaus implizierter Volatilität konstruiert. Man kann sich implizierte Volatilität als die erwartete Volatilität vorstellen, die aus der Aktivität der Marktteilnehmer in dem Optionsmarkt abgeleitet wird. Ein Verständnis dafür, warum der VIX sich invers zum S&P 500 verhält, ist wichtig, weil der Volatilitätsindex als Maßstab für die Marktstimmung dient. Daher auch die Bezeichnung „Angst-Barometer“.

Die Beziehung zwischen VIX und S&P 500 (SPX)

Der S&P 500 VIX neigt dazu, in einem bärischen Aktienmarktklima zu steigen und in einem bullischen Klima zu fallen oder unverändert zu bleiben. Dies ist aufgrund des langfristigen bullischen Bias des Aktienmarkts der Fall und aufgrund der Tatsache, dass der VIX unter Verwendung implizierter Volatilität berechnet wird.

Die implizierte Volatilität steigt, wenn eine hohe Nachfrage nach Optionen besteht. Dies ist typischerweise bei Kursverlusten des S&P 500 der Fall, weil Marktteilnehmer (die kollektiv bullisch sind) schnell dabei sind, Absicherungen (Put-Optionen) für ihre Portfolios zu kaufen.

Bei einer Rally des S&P 500 geht die Nachfrage nach Absicherungen zurück und als Folge kommt es zu einem Rückgang des VIX. Dieser Prozess hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. Aller Wahrscheinlichkeit nach, weil der VIX sich selbst von einem einfachen Marktmaßstab für die Volatilität über Produktangebote wie diverse Futures, Aktien- und Optionstauschs zu einer handelbaren Anlageklasse entwickelt hat.

VIX steigt, wenn der S&P 500 fällt

S&P 500 VIX Korrelation

Bei der S&P 500 VIX Korrelation geht es einfach darum, wie sich S&P 500 und der VIX relativ zueinander bewegen. Aus dem Chart oben ist die stark negative Korrelation zwischen dem Aktienmarkt und dem VIX leicht ersichtlich. Kurseinbrüche am Aktienmarkt führen zu Spitzen des Index. In den Anfangstagen des VIX 1990 lag die Korrelation zwischen täglichen Veränderungen im S&P 500 und dem VIX bei -77 %. Während der letzten zehn Jahre ist die inverse Korrelation mit -81 % noch stärker geworden, während sie im Oktober 2008 noch bei -74 % gelegen hatte.

Die engere Beziehung lässt sich wohl den verschiedenen Produkten zuschreiben, die in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren eingeführt wurden und Marktteilnehmern erlauben, den VIX zu handeln. Wir bereits angesprochen, macht dies auch insofern Sinn, als dass wir größere Spitzen des VIX beobachten können, wenn der Markt schwächer wird. Grund dafür ist, dass der Handel des VIX an sich übertriebene Bewegungen der implizierten Volatilität verursacht.

Die Beziehung zwischen dem S&P 500 und dem VIX war über die Jahre jedoch im Großen und Ganzen kontinuierlich und zuverlässig. Die durchlaufende Ein-Jahres-Korrelation zwischen täglichen Veränderung lag während der letzten zehn Jahre bei durchschnittlich -83 % und bewegte sich innerhalb einer relativ engen Spanne von -70 % und -90 %.

S&P 500 VIX-Chart: Durchlaufende einjährige Korrelation

Der VIX hat langfristig eine starke inverse Korrelation zum S&P 500

Verwendung des VIX zur Prognose der Volatilität im S&P 500

Der S&P 500 VIX kann verwendet werden, um Marktwenden – und konkreter: eine Bodenbildung – zu identifizieren. Da der Aktienmarkt tendenziell auf schrittweise Art steigt, gibt der VIX auch schrittweise nach oder er bewegt sich seitwärts. Dies kann zu sehr niedrigen Niveaus führen, was vor Selbstzufriedenheit warnt, wenn Anleger keine Notwendigkeit für Absicherungen mehr sehen. Diese Phasen können allerdings lange genug anhalten, so dass eine Verwendung des VIX als ein Verkaufssignal weitgehend ineffektiv sein kann.

Da der S&P 500 jedoch von Natur aus einen Long-Bias aufweist, kaufen Anleger Absicherungen (Put-Optionen) bei Kursverlusten sehr schnell, was den VIX steigen lässt. Bei Marktverlusten kommt es häufig zu einer Überreaktion auf Seiten der Marktteilnehmer. Das ist auch der Grund dafür, dass der VIX als „Angst-Barometer“ bezeichnet wird.

Das Bilden von Spitzen, das der VIX in Zeiten des Marktstresses aufweist, kann ein zeitnahes Signal sein, anhand dessen sich feststellen lässt, wann die Abverkäufe zu weit gelaufen sind und der Markt bereit ist zu springen oder sogar einen Boden für eine längerfristige Aufwärtsbewegung zu bilden. Diese Strategie setzt man im Normalfall am besten ein, wenn das VIX-„Signal“ im Kontext eines generell bullischen Trends des S&P 500 kommt.

S&P 500 VIX-Chart: Spitzen lassen sich als Indikationen für Tradingböden heranziehen

Der VIX entwickelt sich in bullischen Märkten nach unten oder seitwärts und bildet bei Abverkäufen Spitzen

Um noch einmal auf den Faktor Selbstzufriedenheit zurückzukommen, der sich beobachten lässt, wenn der VIX sich auf einem sehr niedrigen Niveau befindet. Dabei gibt es eine Nuance, die helfen kann zu identifizieren, wann der Aktienmarkt sich möglicherweise einem Wendepunkt nach unten annähert. Dies geschieht aber nicht immer. Wenn VIX und S&P 500 über längere Zeit hinweg zusammen steigen, kann dies auf eine zunehmende Instabilität im Trend hinweisen, die Abverkäufen im Markt vorausgeht.

Erfahren Sie mehr über das Messen der Volatilität in den Finanzmärkten.

Verwendung von S&P 500 Volatilität für die Risikosteuerung

Beim Trading des S&P 500 sollte eine inverse Beziehung zwischen dem Tradingvolumen und der Marktvolatilität bzw. dem VIX bestehen. Ein häufiger Fehler, den Trader machen, ist, dass sie einfach mit einem festen Tradevolumen handeln, ungeachtet dessen, wie weit ihr Stop-Loss vom Einstiegskurs entfernt liegt. Das bedeutet, der riskierte Kapitalbetrag ist äußerst variabel (möglicherweise aufgrund des Volatilitätsniveaus), was zu unbeständigen Ergebnissen führt. Außerdem gehen Trader ein größeres Risiko ein, wenn sie das Gegenteil tun.

Ein umsichtiger Ansatz bei der Risikosteuerung ist es, festzulegen, wie viel Ihres Kapitals Sie pro Trade zu riskieren bereit sind und dann das Tradingvolumen entsprechend anzupassen. Wenn Sie zum Beispiel bereit sind, 1 % in einem S&P 500 Trade zu riskieren und einen Stop-Loss mit 10 Punkten haben, und einen anderen Trade eingehen, bei dem Sie bereit sind, 1 % zu riskieren, aber nur mit einem 5 Punkte Stop-Loss, müsste der zweite Trade angesichts der Entfernung zum Stop-Loss doppelt so groß sein, wie der erste Trade, um für beide Trades ein Risiko von 1 % zu erhalten. Dies bietet einen dynamischen Ansatz für Positionsvolumen beim Traden des S&P 500 mit dem Ziel beständigerer Ergebnisse.

Average True Range (ATR) und der VIX

Im Durchschnitt hängt die Entfernung zu Ihrem Stop-Loss weitgehend von dem Stand des VIX ab. Eine andere Möglichkeit, Volatilität zu messen, ist ATR (Average True Range). In dem Chart unten können Sie sehen, dass sich ATR und VIX sehr ähnlich sind, obwohl der ATR historische Daten verwendet und die VIX-Berechnung auf einem Kursfindungsmodell im Optionsmarkt beruht. Bei Spitzen des VIX war dies auch bei den Handelsspannen des S&P 500 der Fall. Das bedeutet, dass ein Trader, der eine dynamische Positionsvolumen Strategie verfolgt, sein Tradingvolumen anpassen würde, um das neue Volatiltitäsniveau zu berücksichtigen. Einfach ausgedrückt: Wenn sie spezifische Kapitalbeträge riskieren, wie in dem Beispiel oben, anstatt feste Volumen zu handeln, passen sie ihre Position der Volatilität des S&P 500 dynamisch an. Mehr Informationen zum Thema Risikosteuerung finden Sie in dem Artikel und Video Techniken zur soliden Risikosteuerung.

S&P 500 VIX und ATR (sich ändernde Volatilität macht Veränderungen des Tradingvolumens erforderlich)

Mit sich ändernder Volatilität (ATR/VIX) sollten sich auch Positionsgrößen ändern

Wesentliche Schlussfolgerungen zu S&P 500 und VIX

Es lässt sich zusammenfassen, dass es für das Traden von Aktienindizes wichtig ist, Volatilität im Aktienmarkt und den CBOE Volatilitätsindex (VIX) zu verstehen. Es lohnt sich, die Natur von Volatilität sowohl aus einer analytischen Sicht, wie auch aus Sicht der Risikosteuerung zu verstehen. Wie es immer der Fall ist, braucht es etwas Erfahrung, um ein Gefühl für die Beziehung zwischen dem VIX und dem S&P 500 zu gewinnen. Es lohn sich aber auf jeden Fall!

Weitere Informationen zu dem S&P 500 Index finden Sie in unserem Leitfaden zum Trading des S&P 500. Eine tiefergehende Analyse der führenden Aktienindizes haben wir in dem Artikel Unterschiede zwischen Dow, Nasdaq und S&P 500 zugsammengefasst.

Fundamentale und technische Einschätzungen zum S&P 500 und anderen führenden Indizes finden Sie in der DailyFX Quartalsprognose für Aktien. Sie können sich auch für eines unserer kostenlosen, täglichen Webinare anmelden. Sie sind speziell auf die Aktienmärkte zugeschnitten.