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EZB vor defensiver Trajektorie in der Geldpolitik – Euro gefährdet

EZB vor defensiver Trajektorie in der Geldpolitik – Euro gefährdet

Ilya Spivak, Head Strategist, APAC
EZB vor defensiver Trajektorie in der Geldpolitik – Euro gefährdet

FUNDAMENTALPROGNOSE FÜR DEN EURO: BÄRISCH

  • Das EZB-Forum wird wahrscheinlich eine defensive Richtung für die weitere Geldpolitik vorgeben
  • Die Führung der EU wird möglicherweise einen Status Quo Ersatz für die höchste Position in der EZB vergeben
  • Querströmungen aus den USA und aus Großbritannien verheißen nichts Gutes für die Einheitswährung

Lagen wir mit unseren aktuellen Prognose für den Euro richtig? Lesen Sie sie kostenlos und finden Sie es heraus!

Dem Euro steht trotz dem scheinbar relativ verhaltenen Wirtschaftsterminkalender eine entscheidende Woche bevor. Regionale Politiker werden eine Reihe wichtiger regionaler Strategieentscheidungen treffen, während sich an der externen Front viel Spielraum für Volatilität bietet.

EURO GEFÄHRDET – EZB LEGT RICHTUNG DER GELDPOLITIK FEST UND EU WÄHLT IHREN NEUEN PRÄSIDENTEN

Zunächst kommen die Notenbankvertreter für das EZB-Forum in Sintra, Portugal, zusammen. Sie werden die wirtschaftliche Lage abschätzen und den Erwartungen zufolge beraten, ob die Euro-Zone weitere geldpolitische Anreize benötigt. Es steht zwar keine formale geldpolitische Erklärung an, die Märkte werden die Kommentare im Zusammenhang mit dem Forum aber genau verfolgen und analysieren.

Das Tempo des Wachstums der Wirtschaftsaktivität scheint sich 2019, nach einem steilen Rückgang im Vorjahr, stabilisiert zu haben. Da man sich aber nur um Haaresbreite von einem Sechs-Jahres-Tief entfernt befindet, könnte dies nur wenig Trost spenden. Ferner haben sich die regionalen Finanzbedingungen gestrafft, während die Basislinienerwartungen der Märkte für das Wachstum im Jahr 2020 weiter sinken.

Zusammengenommen äußert sich dies möglicherweise in einer vorsichtigen Abwartehaltung, wobei die EZB die Ergebnisse ihrer bevorstehenden Runde von TLTRO-Liquiditätsspritzen abwartet. Eine eindeutig defensive Verschiebung in der offiziellen Rhetorik, die Kapazität, mehr zu tun, wenn es erforderlich werden sollte, signalisiert, scheint jedoch wahrscheinlich.

Später in dieser Woche kommen die EU-Staats- und Regierungschefs zusammen, um die freien Führungspositionen in der Kommission und – was möglicherweise noch wichtiger ist – der EZB zu besetzen. Unter den Spitzenkandidaten für das Amt Mario Draghis scheint der Gouverneur der finnischen Notenbank Erkki Liikanen die von den Märkten bevorzugte Option zu sein.

Liikanen ist eine bekannte Quantität in der EU und er wird im Großen und Ganzen als konsensbildend und moderat mit einer ruhigen Hand gesehen. Der ultra-straffungsorientierte Deutsche Jens Weidmann könnte dem Euro Unterstützung bieten, aber nicht sehr viel mehr. Berlin wird wahrscheinlich darauf bestehen, dass der Franzose François Villeroy de Galhau aus dem Rennen genommen wird, schon alleine auf Grundlage der Ausgeglichenheit.

Insgesamt scheint ein eindeutig geldpolitisch lockerer Bias aus dem Forum in Verbindung mit einem mehr oder weniger dem Status Quo entsprechenden Erkki Liikanen als nächstem EZB-Präsidenten die wahrscheinlichste Entwicklung. Insgesamt sind das möglicherweise moderat bärische Implikationen für die Einheitswährung.

UPDATE ZUM FED-AUSBLICK UND BOE-KOMMENTARE KÖNNTEN EURO-VOLATILITÄT ANHEIZEN

Blickt man über die Grenzen des Euro-Raums hinaus, werden aus den USA und aus Großbritannien wahrscheinlich kräftige Querströmungen kommen. Zunächst bringt eine Erklärung zur Geldpolitik der Fed ein Update zu den Projektionen für den offiziellen Zinspfad. Die Märkte preisen dramatische Lockerungen ein: zwei bis drei Zinssenkungen in diesem Jahr sowie das Ende der quantitativen Straffungen zur Bilanznormalisierung.

Das stellt einen starken Kontrast zu der Prognose des FOMC im März dar. Damals wurde noch von keinen Veränderungen in diesem Jahr und einer Zinsanhebung im Jahr 2020 ausgegangen. Obwohl eine defensive Angleichung wahrscheinlich scheint, könnte eine relativ moderatere, als wie die Anleger sich dies im Moment vorstellen, dem US-Dollar einen Schub geben und den Euro über einen niedrigeren EUR/USD-Wechselkurs unter Druck setzen.

Gleichzeitig könnte eine zweite Runde von Abstimmungen über die Führung der konservativen Partei in Großbritannien Boris Johnson näher daran bringen, zum Nachfolger Theresa Mays im Premierministeramt zu werden. Die erste Runde konnte er mit überwältigender Mehrheit für sich entscheiden. Dies schien keine starke Marktreaktion hervorzurufen. Aber weitere Fortschritte in dem Führungskampf könnten zu mehr regionaler Volatilität führen.

Ein Zinsentscheid der Bank of England und die jährliche Mansion House Rede ihres Gouverneurs Mark Carney stehen ebenfalls an. Es werden keine Veränderungen erwartet, da die Ungewissheit im Zusammenhang mit dem Brexit die Notenbank abwarten lässt. Eine starke Verschlechterung der Wirtschaftslage im vergangenen Monat könnte aber zu Besorgnis erregenden Kommentaren führen, die die europäischen Märkte aufrütteln.

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