US-Daten enttäuschen weiter: Dollar rutscht auf Zehn-Monats-Tief ab

Fundamentalprognose für den US-Dollar: Neutral

  • Der US-Dollar könnte noch weiter fallen, da die schwache Inflation die Wetten auf Zinsanhebungen abkühlt.
  • Dollar und S&P 500 sehr nah an Durchbruch, werden die Zugewinne von australischem und Neuseeland-Dollar anhalten?

Es war eine Woche von großer Tragweite für den Greenback, da zwei der wichtigsten Termine auf dem Kalender mit dem US-Dollar zu tun hatten. Wie es in letzter Zeit zur Norm geworden ist, war eine relativ straffungsorientierte US-Notenbank Federal Reserve nicht dazu in der Lage, zu einer dauerhaften Stärke der Währung zu inspirieren, während die US-Daten weiter enttäuschten. Die Aufmerksamkeit der Märkte richtet sich ausschließlich auf die Zahlen der jüngsten Entwicklung der US-Wirtschaft und wie wir bereits vor zwei Wochen diskutierten, hat die den Dollar-Bullen keine großen Gefallen getan, da die Daten auch weiter hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Am Mittwoch und Donnerstag machte die Fed-Chefin Janet Yellen ihre Aussage vor dem US-Kongress im Rahmen der halbjährlichen Humphrey-Hawkins-Aussage der Notenbank. Die Sache ging aber bereits schon bevor die Vorsitzende Yellen um 10 Uhr am Mittwoch ihre Eröffnungserklärung verlesen hatte los, da der Bericht an den Kongress zur Geldpolitik bereits um 8:30 Uhr veröffentlicht worden war und die Aufmerksamkeit der Trader sich auf den letzten Absatz des Berichts richtete, der erneut die Aussage enthielt, dass der „Fed Put“ dazu beigetragen hat, die Aktienpreise auf einem erhöhten Niveau zu halten. Der „Fed Put“ ist das Konzept einer Lockerung der Geldpolitik der Federal Reserve als Reaktion auf Kursrückgänge im Aktienmarkt, das große Ähnlichkeit mit dem „Greenspan Put“ im Jahr 1987 in Reaktion auf den S&L-Crash oder den „Bernanke Put“ in Reaktion auf den Finanzkollaps 2007-2008 hat. Der Schlussabsatz in dem Bericht vom Mittwoch sagte grundsätzlich aus, dass die Fed schnell wieder zu ihren quantitativen Lockerungen (QE) zurückkehren könnte, falls dies erforderlich werden sollte. Damit wurden die Befürchtungen effektiv beseitigt, die Notenbank habe sich in ihrer geldpolitischen Haltung von der kurzfristigen Entwicklung des Aktienmarkts gelöst.

Die Reaktion der US-Aktien hierauf war robust - die Gebote trieben die Kurse des Dow und des S&P 500 zurück auf neue Rekordhochs. Die Bewegung des US-Dollar war jedoch eher schwach. Wir erlebten nur ein simples Antesten der Zehn-Monats-Tiefs ohne eine erwähnenswerte, signifikante Fortsetzung. Diese zeigte sich dann jedoch am Freitagmorgen, als wir noch enttäuschendere US-Daten erhielten. Die Inflation blieb unverändert, während ein Anstieg um 0,2 Prozent erwartet worden war, und die Einzelhandelsumsätze waren um 0,2 Prozent gefallen, während die Erwartungen bei einem Anstieg von 0,1 Prozent gelegen hatten. Das verursachte eine weitere Welle von Dollar-Abverkäufen und der Kurs rutschte wieder einmal auf neue Tiefs ab.

Dies scheint derzeit ein signifikanter wunder Punkt des Greenback zu sein. Wie wir bereits vor zwei Wochen diskutierten, haben die US-Daten die meiste Zeit während des Jahres 2017 enttäuscht. Das wirft die Frage auf, wie aggressiv genau die Fed mit ihren Zinsanhebungen sein kann. Zu Beginn des Jahres machten die Erwartungen Höhenflüge, denn der Dollar lief auf neue 14-Jahres-Hochs. Aber seitdem haben diese hohen Erwartungen nur zu größeren Entäuschungen geführt, nachdem die tatsächliche Wirtschaftsleistung einfach nicht mit ihnen mithalten konnte. Gleichzeitig beginnen Wachstum und Inflation sich mit größerer Kontinuität in Europa und Großbritannien zu zeigen und das hat zu noch mehr abgeleiteter Schwäche des Greenback geführt, da Trader ihre Zinsanhebungswetten zum Euro und dem Britischen Pfund verlagern.

Nächste Woche kommen keine Daten mit großer Tragweite aus den USA und am Samstag tritt die Federal Reserve in ihre „Ruhephase“ vor dem nächsten Zinsentscheid am 26. Juli ein. Größere marktweite Ereignisse sind die Zinsentscheide in Europa und in Japan sowie aktualisierte Inflationszahlen aus Großbritannien. Und das ist, wohin sich die Aufmerksamkeit der meisten Marktteilnehmer weiter richten wird.

Nach dem, was wir in letzter Zeit beobachten konnten, haben EZB und BoJ sich bemüht, ihre Währungen nach unten zu reden, und falls sie nächste Woche damit eine Wirkung erzielen sollten, könnte dies dem US-Dollar ein wenig Stärke gewähren, was im Wesentlichen auf einen Rücksetzer im „Gesamtbild“ des bärischen Trends hinauslaufen würde.

Die Prognose für den US-Dollar wird für die kommende Woche auf „Neutral“ gesetzt.