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EZB senkt Inflationsprognose, aber reicht das um die Euro-Zugewinne aufzuhalten?

EZB senkt Inflationsprognose, aber reicht das um die Euro-Zugewinne aufzuhalten?

James Stanley, Strategist
EZB senkt Inflationsprognose, aber reicht das um die Euro-Zugewinne aufzuhalten?

Fundamentalprognose für den EUR: Bullisch

  • Das Währungspaar EUR/USD hält die Juni-Spanne – der Ausblick hängt von den Zielsetzungen der EZB ab.
  • EUR/USD kommt vor EZB-Sitzung ins Stocken; Comey.
  • Der Euro spielte bei mehreren der DailyFX Top Trading Gelegenheiten 2017 eine Rolle. Hier können Sie auf unsere Trading-Leifäden zugreifen - sie sind komplett kostenlos.
  • Das IG Client Sentiment steht im Moment beim Währungspaar EUR/USD bei einem Verhältnis von mehr als -2,71 zu 1. Und da das Privatanleger-Sentiment ein nonkonformistischer Indikator ist, ist das bullisch.

Der Euro gab während der Woche gegenüber den meisten führenden Währungen nach und fiel um -0,7 Prozent gegenüber dem US-Dollar und Japanischen Yen sowie um -1,6 Prozent gegenüber dem Australischen Dollar. Er schloß die Woche stärker gegenüber dem Britischen Pfund, nachdem ein weiteres, schockierendes Wahlergebnis in Großbritannien zu einer raschen Sterling-Schwäche führte. Dabei konnte die Einheitswährung 0,4 Prozent gegenüber dem Britischen Pfund zulegen. Möglicherweise interessantester Aspekt diese Woche bei der Kursbewegung des Euro war nicht das, was geschah, sondern das, was nicht geschah: Die Europäische Zentralbank verlieh ihrer Zielsetzung eine weitere defensive Note und senkte die Inflationsprognosen bis 2019. Der Euro verlor aber auf den Tagescharts dennoch nicht seine jüngste Stärke gegenüber den meisten führenden Währungen. Der bullische Trend bleibt bei den Währungspaaren EUR/USD und EUR/JPY bestehen, denn die Rücksetzer beider Paare nach der EZB-Sitzung gestern stießen, zumindest bisher, auf ein gewisses Element von Käuferunterstützung um die vorherigen Wendepunktniveaus.

Wie wir letzte Woche bereits diskutierten, standen die Inflationsprognosen der EZB im Rahmen dieses Zinsentscheids recht stark im Mittelpunkt. Es bestanden nur wenige Erwartungen für einen tatsächlichen Zinsschritt, die Märkte versuchten sich aber bei dem Bestreben, dem Exit der EZB aus ihrem überdimensionierten Programm geldpolitischer Anreize zuvorzukommen, mit Bodensatzlesen. Dabei würden die Erwartungen der EZB für die zukünftigen Inflationskräfte bestimmten, wie aggressiv genau die Bank eine Fortsetzung oder Drosselung ihrer Maßnahmen angehen wird. Die EZB senkte die Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre: Die Erwartungen für 2017 von 1,7 Prozent auf 1,5 Prozent, für 2018 von 1,6 Prozent auf 1,3 Prozent und für 2019 von 1,7 Prozent auf 1,6 Prozent.

Das gibt recht genau die jüngsten Kommentare Mario Draghis wieder, dass die Notenbank angesichts der Verbesserungen der Lage in der europäischen Wirtschaft weiter defensiv bleibe. Im März diesen Jahres besprachen wir, dass die EZB angesichts der bevorstehenden politischen Risiken wahrscheinlich defensiv bleiben wird, auch wenn sich bereits eine aufkeimende Konjunkturerholung zu zeigen begonnen hat. Nachdem diese politischen Risiken jetzt aber mit eher marktfreundlichen Resultaten nachgelassen haben und Wachstum und Inflation weiter in eine positive Richtung weisen, steigen die Erwartungen eines Rückzugs der EZB aus ihren geldpolitischen Anreizen zunehmend. Viele prominente Stimmen in Europa, insbesondere aus Deutschland, hinterfragen offen die weiterhin lockere Geldpolitik der EZB. Bundeskanzlerin Angela Merkel ging sogar soweit zu sagen, der Euro sei „zu schwach“.

Das veranschaulicht die Divergenz, die sich derzeit in Hinblick auf die Erwartungen an die europäische Geldpolitik beobachten lassen. Während die EZB und Mario Draghi nach wie vor einen eher defensiven Ton mit einem recht passiven Inflationsausblick anschlagen, scheinen die Märkte in den wachsenden Chor der Rufe innerhalb des Blocks, „weniger lockere“ geldpolitische Optionen in Erwägung zu ziehen, einzustimmen. Der Euro-Trend ist vor dem Hintergrund des US-Dollar und des Yen steigend und bis sich das ändert, sollten Trader bestrebt sein, jeden Markt mit einer gewissen Form bullischer Präferenz anzugehen.

Die großen Themen auf dem Kalender der nächsten Woche haben keinen direkten Euro-Bezug. Wir werden von den Notenbanken in den USA, in Großbritannien und Japan hören. Jeder dieser Zinsentscheide könnte makroökonomische Untertöne mit sich bringen, die sich gewiss auf die Euro-Kassakurse auswirken können. Der eine, wichtige Termin im Kalender für die nächste Woche in Europa ist die deutsche ZEW-Erhebung am Dienstagmorgen. Obwohl sie potenziell marktbewegend sein könnte, wird sie angesichts der Stärke der jüngsten Daten aus Deutschland aber wahrscheinlich keine Trends umkehren. Am Mittwoch erhalten wir die Inflationszahlen aus Deutschland und die Beschäftigtenzahlen für die Eurozone. Beide können für eine gewisse kurzfristige Volatilität sorgen. Am Donnerstag kommt die Handelsbilanz und die Woche schließt dann mit der Veröffentlichung der Inflationszahlen für die Eurozone für den Monat Mai am Freitag. Das wird wahrscheinlich die interessanteste europäische Meldung werden, mit der die Märkte in der nächsten Woche arbeiten werden, da die Inflation nach wie vor ausschlaggebend für die kurzfristigen Euro-Trends sind, selbst vor dem defensiven Hintergrund der EZB-Sitzung diese Woche.

Die Prognose für den Euro wird für die kommende Woche auf bullisch gesetzt.

DailyFX stellt Neuigkeiten zu Forex und technische Analysen, die sich auf Trends beziehen, die die globalen Währungsmärkte beeinflussen, zur Verfügung.