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Euro Schwäche erwartet, da EZB weitere Lockerungen signalisiert

Fundamentale Prognose für Euro: Neutral

- Der Euro Dollar stieg aufgrund der USD-Schwäche und nicht wegen einem starken Euro an.

EZB-Präsident Draghi machte klar

- Die Volatilität in den Devisenmärkten sollte in den kommenden Wochen wieder zunehmen – es ist an der Zeit, die Grundsätze des Risikomanagements zu rekapitulieren.

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In einer Woche, in der die Aktienmärkte nach wochenlanger geringer Volatilität und Stabilität schwer getroffen wurden, ist es nicht verwunderlich, dass der Euro als Spitzenreiter auftauchte; letzten Endes ist es eine Währung mit geringer Rendite, in Zeiten von Marktstress/Nachfrage nach Liquidität sozusagen ein sicherer Hafen. Die Leistungen der anderen Hauptwährungen liefern Beweise für diese Ansicht. Der Japanische Yen, der Prototyp für einen sicheren Hafen, führte sich insgesamt als der beste Performer auf, während zwei der Rohstoff-Währungen, der Australische und der Kanadische Dollar, die Nachzügler bildeten.

Oberflächlich betrachtet und in Anbetracht der widerstandslosen Performance des Euro könnte man sicherlich annehmen, dass die Zinsentscheidung und Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank am Donnerstag keine bedeutende Entwicklungen zeigten - doch das ist nicht der Fall. Es scheint so, als ob der EZB-Präsident Draghi seine Pressekonferenz dazu benutzte, um eine Grundlage für weitere Lockerungen gegen Ende 2016 zu schaffen; das Lesen aus dem EZB-Kaffeesatz jedenfalls lässt darauf schließen.

Vielleicht war unsere Annahme für eine EZB-Anpassung des QE-Programms im Juli (ein Treffen früher) etwas überstürzt, doch machte der EZB-Präsident sehr deutlich, dass genau diese unsere Bedenken von der EZB berücksichtigt werden. Woraus bestanden diese Bedenken? Eine Auffrischung des "Kapitalschlüssels" der EZB ist notwendig. Was ist ein Kapitalschlüssel? Das Kapital der EZB kommt von den nationalen Zentralbanken (NCBs) aller EU-Mitgliedstaaten. Laut EZB werden die NCB-Anteile dieses Kapitals mit einem Schlüssel kalkuliert, der den Anteil des jeweiligen Landes zur gesamten Bevölkerung und dem Bruttoinlandsprodukt der EU reflektiert.

Der EZB-Präsident Draghi machte am Donnerstag deutlich, dass die Wirksamkeit des QE-Programms durch die Einschränkungen, die dieser Kapitalschlüssel jetzt darstellt, behindert werden könnte. "Wir haben den entsprechenden Komitees die Aufgabe gestellt, an einer einwandfreien Implementierung und an den Veränderungen, die eine einwandfrei Implementierung erfordern, zu arbeiten." In anderen Worten konzentriert sich die EZB nicht auf den Umfang des QE-Programms sondern eher darauf, ob es richtig funktioniert oder nicht.

Im Juli bemerkten wir, und es ist gut, das jetzt nach dem Kommentar von EZB-Präsident Draghi zu wiederholen: "Es überrascht nicht, dass in Deutschland - das Land mit dem größten Kapitalbeitrag - der Bauch der Renditenkurve (3J-7J) nach unten in den negativen Bereich und unter das Deposit Level der EZB von -0,40% gerutscht ist - eine Schwelle, bei der die EZB keine Anleihen mehr für ihr QE-Programm kauft. Entweder muss die EZB den Grenzparameter von -0,40% für seinen Anleihenkauf aufheben oder die Variable des Kapitalschlüssels aufgeben. Im ersten Fall würden die deutschen Renditen am schnellsten fallen; im zweiten kommt es zu geringeren Renditen."

Da die EZB bei ihrer September-Sitzung sehr wenig in Bezug auf ihre Wachstums- und Inflationsprognosen unternommen hat, scheint es keine ausreichende Motivation zu geben, vor der nächsten Zinsentscheidung zu handeln. Mit noch ein paar Monaten vor sich, könnte das "relevante Komitee" im Zusammenhang mit neuen Wirtschaftsprojizierungen entscheiden, dass eine QE-Anpassung im Dezember richtig wäre.

Das wäre das Vernünftigste, wenn man in Betracht zieht, dass die EZB eine von vielen Zentralbanken ist, die eine Glaubwürdigkeitskrise überstehen muss. Deshalb und weil sie um Transparenz bemüht ist, wurde sie vorhersehbar; die EZB, wie die Fed und die BoE, haben nur bei den Sitzungen gehandelt, bei denen neue Wachstums- und Inflationsprognosen vorgestellt wurden, um den neuen Standpunkt ihrer Geldpolitik zu rechtfertigen.

Es ist wichtig, all dies im Zusammenhang mit den neusten Entwicklungen zu sehen, da der EZB-Präsident Draghi nicht der einzige Entscheidungsträger ist, der auf weitere Maßnahmen hingedeutet hat. Wie wir vor zwei Wochen besprochen haben, hat EZB-Direktionsmitglied Benoit Coeure beim Wirtschaftssymposium in Jackson Hole gesagt: „Wenn andere Akteure nicht die nötigen Maßnahmen in ihrem politischen Bereich ergreifen, könnten wir gezwungen sein, weitere geldpolitischen Instrumente und Strategien einzusetzen, um das zu erreichen.” Wir wissen ja, wie die Wirklichkeit wahrscheinlich aussehen wird, nämlich dass ‘Politiker nicht aufhören werden herumzutrödeln. Daher wird die EZB die geldpolitischen Zügel wieder lockern.’

Während die Realität einsetzt, werden die Zinssatz-Märkte die Erwartungen einer Zinssenkung weiter hinausschieben müssen (zurzeit steht der OIS bei ungefähr 32%), was den Euro allgemein tiefer treiben sollte. Nachdem die Zinsentscheide der Fed und BoJ kurz bevorstehen (20. - 21. September), kann dieser Einfluss der EZB auf den Euro vielleicht nicht offensichtlich sein oder sich erst in einigen Wochen zeigen. Trotzdem führen die leichten Verschiebungen in der Signalisierung der EZB in den letzten Wochen, die im Zinsentscheid vom Donnerstag ihren Höhepunkt erreichten, zum Schluss, dass ein Ende der Lockerung von Seiten der EZB für 2016 noch nicht abzusehen ist.–CV

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