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Q1 2020 Ölpreis Prognose

Q1 2020 Ölpreis Prognose

David Iusow, Analyst

Ölpreis Prognose: Im Jahr 2019 verzeichnete der Ölpreis (WTI) in der Spitze eine Aufwertung von fast 50 %, von 44 auf 66 USD je Barrel. Dabei ereignete sich der größte Zugewinn in den ersten vier Monaten. Danach ging es wieder auf 50 US Dollar runter. Zwischen Juni und Dezember pendelte der Preis zwischen 50 und 60 USD. Diese Range hatte einen guten Grund und sie könnte sich in das Jahr 2020 fortsetzen. Die Frage ist, wird der Preis im ersten Quartal 2020 eher nach oben oder unten pendeln?

Handelsstreit belastet den Ölpreis

Einer der hauptsächlichen und belastenden Faktoren für den Ölpreis im Jahr 2019 war der Handelsstreit zwischen den USA und China. Insbesondere Chinas Importe gingen stark zurück. Konjunkturdaten in der EU schrammten an einer Rezession gerade mal so vorbei und das aufgrund stützender Maßnahmen der Notenbanken. Die Rezessionsangst griff in den Sommermonaten auf die USA über, wo die Zinskurven zum zweiten Mal in diesem Jahr invertierten.

Die Risiken hatten zufolge, dass die Nachfrage-Prognosen der IEA sowie der OPEC reihenweise nach unten revidiert wurden. Insbesondere für das kommende Jahr sehen die beiden Institute kaum optimistisch hinein. Gleichzeitig wird immer mehr produziert. Insbesondere die USA haben sich zum weltweit größten Produzenten in den letzten beiden Jahren entwickelt und sehen einen Ölpreis bei unter 70 USD je Barrel als ihren Wettbewerbsvorteil gegenüber den OPEC + Staaten an.

US Präsident Trump hat mehrmals öffentlich bekundet, dass er einen zu hohen Ölpreis nicht tolerieren wird. Um diesen tatsächlich auf niedrigen Level zu halten, wurde im Jahr 2019 von zu harten Sanktionen gegen den Iran zunächst abgesehen. Ein Angriff auf die größte Saudi-Arabische Raffinerie sorgte allerdings kurzzeitig für einen starken Impuls im September in Richtung 70 USD je Barrel. Nachdem wieder klar wurde, dass die Produktion dadurch nicht massiv beeinträchtig wird, unter anderem auch mit unterstützenden Aussagen der USA, brach der Ölpreis wieder in Richtung 50 USD ein. Ebenfalls ein gutes Beispiel dafür, dass die USA einen zu hohen Ölpreis nicht sehen wollen.

50er Support wird gehalten

Dennoch ist der Ölpreis unter die 50 USD je Barrel Marke bisher nicht gefallen und dies kann eventuell zwei Faktoren zugeschrieben werden.

  1. Zum einen den seit Ende 2018 wieder beschlossenen OPEC + Kürzungen, die zu Beginn sogar teilweise höher ausfielen als vereinbart worden war.
  2. Sowie den fallenden US Beständen.

Diese beiden Faktoren haben immer noch einen gewissen Einfluss und dürften ihn auch im ersten Quartal 2020 haben.

Insbesondere die OPEC + hat im Rahmen ihres Meeting im Dezember beschlossen die Kürzungen in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres um weitere 500 Tsd Barrel pro Tag zu kürzen. Auch wenn, bis auf Saudi-Arabien, noch nicht klar ist, wie viel wer kürzen wird, so dürfte die Entscheidung, abgesehen von einer Zuspitzung im Handelsstreit, den Ölpreis zumindest weiterhin über der 50 er Support Marke stabil halten.

Ab dem zweiten Quartal wird bereits eine leicht anziehende Nachfrage erwartet. Zudem will die OPEC + zunächst einmal sehen, wie sich die US Produktion in der Zwischenzeit entwickelt. Einige Indikatoren lassen darauf schließen, dass diese im kommenden Jahr geringer ausfallen wird. Möglicherweise wird die OPEC erst im März ihre Entscheidung über die Verlängerung der Kürzungen davon abhängig machen.

US Rohölbestände

Quelle: DailyFX Research, EIA

Bei den US Beständen (siehe oben) zeichnen sich seit geraumer Zeit ebenfalls stützende Tendenzen ab. Gemäß dem EIA sind diese in 2019 wieder unter den Fünf-Jahre-Durchschnitt gefallen. Sie haben im Herbst zwar diesen wieder von unten getestet, doch dies ist saisonal zu erwarten gewesen und hatte nicht den übermäßig belastenden Effekt. Hingegen wirkt sich der Abbau der Bestände tatsächlich unterstützend aus. Erst wenn die Bestände wieder über den Fünf-Jahre-Durchschnitt klettern, dürften Marktteilnehmer auf diese negativ reagieren.

Saisonal bedingt sollte die Nachfrage im Dezember leicht anziehen und im Januar und Februar in eine Schwächephase übergehen, ehe ab März die saisonal starke Phase beginnen dürfte. Damit ist zumindest aus dieser Richtung, in den ersten beiden Monaten des Jahres, eventuell nicht viel zu erwarten.

US Dollar als stützender Faktor?

Auch der US Dollar ist weiterhin ein Einflussfaktor für den Ölpreis. In 2019 behielt der US Dollar seinen leichten aber dennoch intakten Aufwärtstrend bei und sofern dies der Fall bleibt, dürfte der Ölpreis nach oben hin ebenfalls abgebremst werden. Der US Dollar Index scheint allerdings in Erwartung weiterer FED Zinsschritte im ersten Quartal 2019 weiterhin nun mehr zu schwächeln und hat die letzten Tiefs bereits mehrmals getestet. Sollte er den Trend tatsächlich beenden, könnte dies dem Ölpreis im ersten Quartal durchaus in die Karten spielen. Aktuell besteht die Erwartung an zwei weitere Zinsschritte im kommenden Jahr. Davon könnte einer im ersten Quartal stattfinden. Dies hat die FED zwar in dieser Woche im Rahmen des Zinsentscheids und des Statements nicht bestätigt, dennoch gibt der US Dollar weiter nach, weil man nicht erwartet, dass die FED die Inflation wird stabil halten können ohne weitere Zinsschritte.

US Dollar Index Analyse Trend gebrochen

Quelle: IG Handelsplattform

Rohöl-Prognose auf Charttechnischer Basis

Innerhalb der Range hat sich der Ölpreis bereits sehr weit hoch gewagt. Über 61 US je Barrel würde die Charttechnikeinen Ausbruch signalisieren. In diesem Fall dürften die letzten Hochs als Ziel validiert werden, also zwischen 64-65 USD je Barrel. Sollte der Ölpreis an der oberen Begrenzung abprallen, könnte dies eine Korrektur in Richtung der gleitenden Durchschnitte zur Folge haben. Unterhalb von 55 USD je Barrel könnte es heikel werden und die untere Begrenzung angesteuert werden.

Ölpreis Prognose auf charttechnischer Basis

Quelle: IG Handelsplattform

Fazit Ölpreis Prognose für das erste Quartal 2020

Fassen wir zusammen. Die fundamentalen Faktoren Nachfrage und Angebot könnten sich weiterhin die Waage halten.

  1. Nachfrage könnte aufgrund der Konjunkturschwäche weiterhin niedrig bleiben, US Bestände könnten saisonal bedingt im Januar und Februar steigen. Ein Deal im Handelsstreit könnte zwar für positive Impulse sorgen, doch erst positive Konjunkturdaten dürften bestätigend einwirken.
  2. Angebot dürfte allerdings aufgrund der OPEC + Kürzungen geringer ausfallen, obgleich es nicht wahrscheinlich ist, dass der Angebotsüberhang komplett vermieden werden kann. Dies dürfte das Upside-Potential limitieren. Erst eine deutlich rückläufige US Produktion könnte für stark positive Impulse sorgen.
  3. Der US Dollar könnte eventuell den Trend beenden und damit tendenziell den Ölpreis ebenfalls stabiler halten. Dies wird davon abhängen ob die FED weitere Zinssenkungen in Aussicht stellt.

Das Upside-Potential dürfte bis 65 USD je Barrel vorerst reichen. Um höhere Werte zu erreichen müssten sowohl die Daten als auch das Angebot- und Nachfrageverhältnis mitspielen. Da das aber zum gegebenen Zeitpunkt unwahrscheinlich ist, sollte dies auch vorerst nicht erwartet werden. Erst ab Beginn des Monats März könnten auch saisonale Effekte mehr unterstützend wirken.

DailyFX stellt Neuigkeiten zu Forex und technische Analysen, die sich auf Trends beziehen, die die globalen Währungsmärkte beeinflussen, zur Verfügung.