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Die Risikomärkte sind vor dem FOMC und der BoJ nervös

Die Risikomärkte sind vor dem FOMC und der BoJ nervös

2016-09-16 13:10:00
James Stanley, Strategist
Teile:

Anknüpfungspunkte:

- Die Aktienmärkte weltweit halten weiterhin an ihren jüngsten Verlusten fest, denn bald finden wichtige Zentralbanksitzungen in den USA und Japan statt.

- Anlass zur Sorge gibt die Möglichkeit, dass die Bowle von den globalen Risikomärkten weggenommen wird, da die Zentralbanken gegenüber einer lockereren Politik eine zunehmend abweisende Haltung einnehmen könnten. Wenn die Geschichte einen Hinweis liefert, so wird dies wohl kaum passieren; es ist eher wahrscheinlich, dass wir von der Federal Reserve ein "restriktives Halten" mit expansiven Bemerkungen erhalten werden oder sogar eine expansive Maßnahme (je nach den Ergebnissen der "umfassenden Überprüfung") von Seiten der Bank of Japan.

- Für Trading-Ideen sehen Sie sich unsere Trading Guides an. Und wenn Sie kurzfristige Tipps brauchen, finden Sie hier unseren SSI-Indikator. Wenn Sie eine ganz kurzfristige Anzeige suchen, sehen Sie sich unseren gerade veröffentlichten GSI-Indikator an.

In der kommenden Woche erhalten die Märkte die mit Spannung erwarteten Sitzungen der Bank of Japan und der Federal Reserve, und falls die Aktienbörsen weltweit einen Hinweis liefern, so nehmen die Investoren die Risiken in Bezug auf diese Sitzungen nicht auf die leichte Schulter. Zum ersten Mal seit Monaten erfahren die Aktien eine Art Selloff oder Retracement in ihren Aufwärtstrends. Nach dem Brexit-Referendum schossen die Aktien weltweit unter der Annahme höher, dass die globalen Zentralbanken das Brexit-Risiko mit einer noch lockereren Geldpolitik, die rasch umgesetzt würde, bekämpfen würden. Die Bank of England führte dann auch ein massives Anleihekaufprogramm ein, aber sie war die einzige größere Zentralbank, die mit einem Stimulus reagierte. Und was für die Aktionäre noch besorgniserregender sein könnte ist, dass die Federal Reserve zunehmend eine restriktive Haltung eingenommen hat, trotz der mittelmäßigen Daten, die einen "riskanten" Trade nicht mehr so attraktiv machen.

Was das Problem aber offenbar noch verstärkt, sind die Kommentare vom vergangenen Freitag, die das Fed-Mitglied Dennis Lockhart abgab. Lockhart, ein bekannter Mittelfeldspieler, der in der gesamten Debatte zwischen "Hawks und Doves" in den vergangenen sechs Jahren immer ziemlich in de Mitte geblieben war, nahm in einem Interview einen deutlich restriktiveren Tonfall an. Lockhart sagte, dass eine Zinsanhebung ernsthaft diskutiert werden müsse, und dies war für die Investoren eine Überraschung. Diese restriktive Anspielung sandte die Aktienkurse tiefer (roter Kasten), wobei die Range im S&P 500 durchbrochen wurde, die sich in den zwei Monaten zuvor entwickelt hatte (violett).

SPX500, S&P 500

Chart erstellt von James Stanley

Es ist schon klar, dass am nächsten Mittwoch nur wenige eine Zinsanhebung erwarten. Die durchschnittlichen Erwartungen gegenüber der FOMC-Sitzung scheinen eine Wiederholung der FOMC-Sitzung im September des letzten Jahres zu sein; damals gab die Bank keine Zinsveränderungen bekannt, warnte jedoch vor einer Zinsanhebung im Laufe des Jahres. Nach einer anfänglichen Rallye nach der Nachricht, dass keine Zinsanhebung vorgenommen würde, setzte die Wirklichkeit ein, und zwar dass die Fed immer noch restriktiv eingestellt war und die Absicht hatte, bei einer der kommenden Sitzungen die Zinssätze anzuheben, und die Aktien wendeten und sanken während des restlichen Monats September tiefer.

SPX500 S&P 500

Chart erstellt von James Stanley

Aber Ende September wurden die Aktien dann wiederbelebt, und zwar dank desselben Treibers, der die Aktien in den letzten sechs Jahren in die Höhe getrieben hatte; und das sind Zentralbanken, die eine expansive Geldpolitik befürworten, die bereit sind, eine "notfallmäßige" Geldpolitik einzusetzen, um die Weltwirtschaft vor schwächeren Daten abzuschirmen.

Was ist diesmal anders?

Ein Anlass zur Sorge scheint die Fähigkeit der Zentralbank zu sein, mehr QE einzuführen. Obwohl das QE zu einem Standardmechanismus für die Geldpolitik geworden ist, um die Risikoaversion zu bekämpfen, wurde in letzter Zeit die Fähigkeit der Zentralbanken, immer mehr zu tun, infrage gestellt, und viele haben nun bald keine Anlagen mehr zu kaufen. Zum Beispiel: Die Bank of Japan besitzt nun mehr als 38 % ihrer eigenen Staatsanleihen. Während fast zwei Jahren kaufte die Bank of Japan Aktien mit dem QE, und dies war ein sehr gefährliches Unterfangen, denn wenn nun die Aktienmärkte schwanken, schwanken auch die japanischen Renten. Aber das ist nicht das einzige Risiko: In Europa schuf das Anleihekaufprogramm eine starke Verzerrung, da nun ein Großteil der Schuldenstruktur Negativzinsen führt. Wir sahen bereits einige Junk-Anleihen, die mit negativen Zinsen gehandelt wurden. Oder anders ausgedrückt, die Leute bezahlen (und erhalten keine Zinsen), um ihr Geld in ein Unternehmen zu investieren, dass ein Kreditrating von "Non-Investment Grade Junk" hat.

Auch wenn dies vielleicht im Moment nicht nach einem Problem klingt, überlegen Sie sich einmal, was passiert, wenn die Zinssätze tatsächlich angehoben werden? Wenn die Zinssätze erhöht werden, sinken die Anleihepreise. Jene, die mit Negativzinsen Rendite kaufen, kaufen dann, wenn der Kurs bei oder nahe bei Allzeithochs steht. Wenn die Zinsen ansteigen und die Zentralbank die Politik zu "normalisieren" beabsichtigt, werden die Investoren stark dazu verleitet, diese Anleihe aufzugeben (da künftige Verluste fast garantiert sind). Und wie in jedem anderen Markt, kann der Abverkauf durch die Investoren zu einem tieferen Kurs führen (die Rendite steigt), und dies kann den Abverkauf noch zusätzlich verstärken, da alle Investoren gleichzeitig zum Ausgang rennen. Das ist wie beim "Taper-Dilemma" und ganz ähnlich wie die aktuelle Situation in den USA, in der sie die Politik nach mehr als sieben Jahren Lockerung zu "normalisieren" beabsichtigt. Wir besprachen dieses Thema in Bezug auf die deutschen Bundesanleihen im Artikel vom Dienstag mit dem Titel "Es handelt sich nicht um Panik, wenn Sie der Erste beim Ausgang sind". Im nächsten Chart schauen wir uns die Kursbewegung im deutschen DAX 30 kurz nach der letzten EZB-Sitzung an.

GER30 DAX

Chart erstellt von James Stanley

Die große Frage für die kommende Woche

Die große Frage lautet, wie viel Artillerie für künftigen Stimulus die Bank of Japan noch haben könnte, und wie aggressiv die Fed ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten "normalisieren" will. Es besteht die Möglichkeit, dass beide Banken ihre Haltung ändern, denn die BoJ bereitet eine "umfassende Überprüfung" ihrer aktuellen Politik vor, während Gerüchte zu hören sind, dass die Fed ihre Ziele für die "Datenabhängigkeit" in Bezug auf künftige Zinsanhebungen anpassen könnte; d.h. das nominale BIP anzuvisieren oder das Inflationsziel zu erhöhen, um der Fed mehr "Spielraum" zu geben, damit sie das Wachstum mit tiefen Zinsen erneut ankurbeln kann.

Ein Markt, der sich in der kommenden Woche bestimmt bewegen wird, ist der USD/JPY. Sollte die BoJ aggressiver mit ihrer QE-Strategie werden, könnte der Yen stark sinken. Auf dem nächsten Chart sehen Sie die aktuelle Schiebezone im USD/JPY, während wir uns den Zentralbanksitzungen der USA und Japan in der kommenden Woche nähern:

USD/JPY, US Dollar - Japanischer Yen

Chart erstellt von James Stanley

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