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Japan wiederholt Sorgen zum Weltwirtschaftswachstum, während Fed eine Zinsanhebung plant

Japan wiederholt Sorgen zum Weltwirtschaftswachstum, während Fed eine Zinsanhebung plant

2016-06-01 13:24:00
James Stanley, Währungsstratege
Teile:

Anknüpfungspunkte:

- Yen-Paare legen massive Kehrtwenden ein, nachdem Japan eine geplante Mehrwertsteuererhöhung aufhob und ankündigte, dass im Herbst ein "umfassendes, kühnes Paket" eingeführt werde.

- Shinzo Abe begründete das Hinausschieben mit dem Druck auf die Weltwirtschaft und der anhaltenden Flaute in den Schwellenländern; und das steht ziemlich im Gegensatz zum Tonfall, den die Fed angeschlagen hat, denn die Amerikanische Zentralbank beabsichtigt, ihre Politik mit Zinsanhebungen zu normalisieren. Welche Zentralbank prognostiziert die Richtung der Weltwirtschaft richtig?

Als Shinzo Abe in 2012 wieder in den politischen Mittelpunkt zurückkehrte, brachte er Hoffnung und einen locker formulierten Plan. Nach mehr als zwei Jahrzehnten einer Deflation, die in der japanischen Volkswirtschaft Schaden anrichtete, gab es nur wenige Ideen in Bezug darauf, was tatsächlich getan werden könnte, um das geringe Wachstum anzukurbeln, das die Volkswirtschaft wegen dem Technologie- und Immobilien-Boom, der überall auf der ganzen Welt aufgetaucht war, plagte. Aber Abe kehrte nach seinem Rücktritt als japanischer Premierminister in 2007 wieder zur Wahlkampagne zurück und hatte dazu einen aggressiven Plan, um die wirtschaftliche Deflation und das schrumpfende Wachstum zu bekämpfen, und zwar mit seinem "Drei-Pfeile-Ansatz", der seither einen eigenen Namen erhielt, der sogar vom Mann selber benutzt wird: "Abenomics".

Abes drei Pfeile stehen für 1) Konjunktur 2) geldpolitische Lockerung und 3) strukturelle Reformen. Zwei dieser Pfeile konnte er ziemlich rasch einführen, nachdem er im Herbst 2012 das Stimmvolk Japans überzeugt hatte, aber der dritte ist immer noch schwer fassbar. Die Konjunktur und die geldpolitische Lockerung wurden in den letzten dreieinhalb Jahren mit zahlreichen, verschiedenen QE-Maßnahmen angegangen, aber die strukturellen Reformen einzuführen erwies sich als viel schwieriger. Und was vielleicht noch schlimmer ist, die japanische Volkswirtschaft hat immer noch Mühe, das flüchtige Inflationsziel von 2% zu erreichen, trotz dieser vielen Lockerungsmaßnahmen.

Ein wichtiger Aspekt der strukturellen Reformen für die japanische Volkswirtschaft haben die Mehrwertsteuer erhöht, und Japan hat immer noch eine der tiefsten weltweit. In 2012, bevor Abe wieder an die Macht kam, hatten die japanischen Gesetzgeber (wie Kongress, Parlament usw.) eine Vorlage angenommen, die die Verbrauchssteuer in 2014 auf 8% und in 2015 auf 10% erhöhen würde, um das Staatsbudget auszugleichen und gleichzeitig den inländischen Verbrauch zu bremsen. Und das letzte Mal, als Japan in 1997 die Steuern von 3% auf 5% erhöht hatte, fiel die japanische Volkswirtschaft in eine noch tiefere Rezession, und die Deflation verschlimmerte sich noch zusätzlich. Als die geplante Steuererhöhung in 2014 eingeführt wurde, steuerte die japanische Volkswirtschaft erneut in eine Rezession.

Als dann also im Oktober 2015 die nächste geplante Steuererhöhung eingeführt werden sollte, sträubte sich Japan dagegen aus Angst, dass dies erneut passieren könnte. Diese Steuererhöhung wurde somit bis gestern Abend auf 2016 hinausgeschoben, und gestern kündigte Abe an, dass diese Anhebung der Verbrauchssteuer auf 10% für weitere zweieinhalb Jahre hinausgezögert werde, damit die bereits brüchige Volkswirtschaft nicht erneut in eine Deflation schlittert. Abe präsentierte die Entscheidung als notwendige Maßnahme, um die externen Risikofaktoren wie die wirtschaftliche Verlangsamung in China und in den Schwellenländern zu bekämpfen.

Aber diese Verzögerung der Mehrwertsteuererhöhung war nicht die einzige Ankündigung von Abe, denn er sagte außerdem, dass Japan im Herbst ein "umfassendes, kühnes Maßnahmenpaket" einführen werde.

Seltsamerweise reagierten die japanischen Börsen nicht wie üblich nach einer Bekanntgabe eines weiteren Stimulus, wie sie es in den vergangenen Jahren getan hatten. Obwohl die früheren Stimulus-Ankündigungen eine Yen-Schwäche und eine Nikkei-Stärke verursachten, geschah gestern Abend das Gegenteil, denn der Yen legte zu und der Nikkei gab stark nach; beides sind Bewegungen in einer Risikoaversion.

Vor zwei Wochen schauten wir uns den USD/JPY an, da das Paar im allgemeinen Abwärtstrend weitere Retracements nach oben verzeichnete. Dieser Trend war das vorherrschende Thema im Großteil dieses Jahres. Wie wir sagten, hatte der USD/JPY einen beständigen Aufwärtstrend in diesem Retracement entwickelt und produzierte dabei eine oft getestete Trendlinie, wobei auch höhere Hochs und höhere Tiefs verzeichnet wurden. Wir hoben das Level von 109,10 als mögliches Unterstützungslevel hervor, denn es war ein früheres Swing-Tief sowie auch das 23,6% Fibonacci-Retracement der letzten starken Bewegung.

Japan wiederholt Sorgen zum Weltwirtschaftswachstum, während Fed eine Zinsanhebung plant

Der Nikkei interagiert ebenfalls mit einer interessanten Trendlinie, und diese finden wir, indem wir die Tiefs vom 6. mit den Tiefs vom 23. Mai verbinden.

Japan wiederholt Sorgen zum Weltwirtschaftswachstum, während Fed eine Zinsanhebung plant

Japan sendet Warnzeichen, während Fed ihre Zinssätze erhöhen will?

Eine der bemerkenswertesten Beobachtungen zurzeit ist die Abweichung zwischen der amerikanischen und japanischen Wirtschaftspolitik. Während die Fed die Stärke in ihrer eigenen Volkswirtschaft hervorhebt, klingelt Japan offenbar eher die Alarmglocken. Die Bewegungen gestern Abend als Reaktion auf die Nachrichten, die in Japan veröffentlicht wurden, unterstreichen die Tatsache, dass Abe und Japan eine weitere Runde Risikoaversion ausgelöst haben könnten, indem sie eine ziemlich düstere Prognose lieferten, ähnlich wie im Januar, als sie Negativzinsen einführten, was den Yen nur noch zusätzlich stärkte.

Es ist immer gefährlich, der Kursbewegung eines einzigen Tages zu viel Gewicht beizumessen, aber dieses Thema sollte beobachtet werden, während wir uns der nächsten Sitzung der Federal Reserve am 14.-15. Juni nähern. Zuvor hatte die Fed nachgegeben und weitere Zinserhöhungen aus Angst vor dem Druck der Weltwirtschaft aufgehoben, wie wir im September des vergangenen Jahres gesehen haben.

Wir haben bereits früher über die "Feedback-Schlaufe der Fed" gesprochen, in der die Federal Reserve offenbar auf die Aktienkurse reagiert und je nach der Marktdynamik in Bezug auf Zinserhöhungen eher restriktiver oder expansiver wird. Und nachdem die Fed im Februar dieses Jahres eher zu einer expansiven Geldpolitik tendierte, begannen die Aktienkurse Rallyes zu verzeichnen. Und als sich die Aktien dann ihren früheren Hochs näherten, wurde die Fed zunehmend restriktiv. Während wir uns also dem Zinsentscheid von Juni nähern, besteht eine gute Chance, dass die Bank ihre Geldpolitik verändern wird, denn die Aktien befinden sich nahe den Allzeithochs.

Interessanterweise brachte dieser bärische Tonfall von Abe eine rasche Kehrtwende in der vorherigen Bewegung, und eine längerfristigere Trendlinie, die die Swing-Hochs des vergangenen Jahres verbindet, ist in den vergangenen sechs Wochen zweimal als Widerstand aufgetaucht. Ich wiederhole, wir sollten der Kursbewegung eines einzelnen Tages nicht zu viel Gewicht beimessen, aber sollte dieser Widerstand halten, könnte sich bald eine starke Volatilität entwickeln.

Die große Frage hier lautet, welche Zentralbank die Richtung der Weltwirtschaft korrekt prognostiziert. Sind es die USA und die Federal Reserve als Bank, die beabsichtigen, ihre Politik weiter zu normalisieren oder ist es die Zentralbank Japans, die die Alarmglocken läuten lässt, während sie ihren Jahrzehnte langen Kampf gegen die Deflation fortsetzt?

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