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Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

2015-12-25 08:00:00
Jens Klatt, Marktstratege
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(DailyFX.de) - Die FED hat es getan, hat nach rund neun Jahren das erste Mal das Leitzinsniveau um 25 Basispunkte angehoben.

Der US-Dollar reagierte allerdings nicht wie erwartet. Statt eines erneuten Bull Runs und neuen Vieljahreshochs notierte der Greenback kurz vor Ende des vierten Quartals 2015 nahezu unverändert.

Was im ersten Moment überraschend anmutet ist in meinen Augen auf den zweiten Blick alles andere als überraschend.

Zum einen hat sich an meiner Einschätzung für das vierte Quartal nichts grundlegend geändert. Dort schrieb ich:

[…] Wenig überraschend käme es, wenn die FED auch im Dezember nicht an der Zinsschraube drehte, was der Markt auch in der Tat mit einer Wahrscheinlichkeit von etwas über 30% erwartet.

Und selbst wenn sie es tut, so schaut es für den US-Dollar ausgehend hiervon nicht zwangsläufig Super-bullish aus und eine USD-Long-Position ist ein Selbstläufer, der einen garantiert spekulativen Profit abwerfen würde.

Eine solche Zinsanhebung dürfte nämlich mit einer entsprechend dovishen (sprich: einen geldpolitisch expansiv begünstigenden) Rhetorik einhergehen, was anders formuliert bedeutet, dass zeitnahe und zügige Zinsanhebungsschritte seitens der FED in 2016 nicht erwartet werden sollten.

Und dadurch, dass seit Mitte 2014 ein aggressiver Zinserhöhungszyklus eingepreist wurde, der USD Index von FXCM seitdem gegenüber Euro, GBP, AUD und JPY in der Spitze rund 16% zugelegt hat, besteht die erhöhte Gefahr eines „Buy the rumors, sell the facts“.[…]

(Quelle: Erhöht die FED in 2015 noch den Zins? Wird der US-Dollar dann verkauft und der DAX startet durch?)

In der Tat erhöhte sich die Wahrscheinlichkeit, mit welcher eine Zinswende doch noch im Dezember 2015 erfolgen sollte infolge sehr guter Zahlen vom US-Arbeitsmarkt in wenigen Monaten von rund 30 auf über 80% kurz vor der Zinssitzung im Dezember.

Das gleichzeitig aber nur ein kurzer Lauf auf die höchsten Stände im US-Dollar Index seit 2003 erfolgte, dieser bereits vor der FED-Sitzung im Dezember zügig wieder abverkauft wurde, bekräftigte meine Einschätzung nach obigem „Buy the rumors, sell the facts“ im Greenback.

Demnach stehen die Chancen auf einen bearishen Lauf im US-Dollar auch im ersten Quartal 2016 in meinen Augen gut.

Zur Erinnerung: seit 1971 hat es seitens der FED acht Zinserhöhungszyklen gegeben, wobei bei fünf dieser acht Zyklen der USD am Ende des Zyklus niedriger notiert hat.

Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

Quelle: DailyFX Research

Im Schnitt hat der USD Index am Ende eines Zyklus 11% niedriger notiert, den größten Teil dieses Drop in den ersten Monaten verzeichnet, hier im Schnitt 7,5%. In drei dieser Fälle hat der USD Index sogar rund 20% nachgegeben.

Während der Zinserhöhungszyklen im Juli 1980, April 1983 und Mai 1999 hat der USD Index zugelegt, im Schnitt 10,6%.

Nimmt man April 1983 raus, landet man bei nur noch 6,6%. Für Mai 1999 fällt zudem auf, dass der Greenback erst nach fünf Monaten gegenüber seinen Major-Währungspendants ins positive Terrain gelaufen ist.

Das bedeutet, dass in sechs aus acht Fällen (75%) der USD Index niedriger notiert hat, nach einer Zinsanhebung.

An dieser Stelle wird es nun ein wenig mathematischer (aber dadurch nicht weniger interessant): der USD verlor in 62,5% der Fälle, die Rendite einer USD-Index Short-Position lag hierbei bei 11%. Im Fall, dass man den USD-Index nun Long war, lag man in 37,5% der Fälle richtig und verdiente im Durchschnitt 6,6%.

Erwatungswert-technisch impliziert das, das man mit einem USD-Index Short im Schnitt 6,8% verdient hat, mit Long-Positionen 2,4%.

Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

Quelle: DailyFX Research

Neben diese eher bearishe USD-Statistik gesellt sich besonders im ersten und eventuell auch noch im zweiten Quartal eine fundamentale Komponente, die den US-Dollar ausbremsen dürfte: gegenüber dem Euro oder auch JPY bleibt der Vorteil fundamental zwar auf Seiten des US-Dollars.

Sowohl in Relation zur EZB, als auch zur BoJ ist die US-Notenbank „kilometerweit“ restriktiver unterwegs. Im Falle des Euros kommt das Risiko einer wiederauflammenden Euro-Schuldenkrise hinzu, nach Griechenland besitzt in 2016 Italien Schock-Potential, ergänzend hierzu zudem eine voranschreitende politische Radikalisierung (z.B. in Frankreich).

Aber: am Ende hängt dann doch alles an weiteren geldpolitischen Stimuli seitens der EZB, welche diese Anfang Dezember schuldig geblieben ist. Und das schränkt weiteres Abwärtspotential im EUR/USD in den ersten drei Monaten in meinen Augen zunächst ein.

Ein Blick auf die Bank of England im Vereingten Königreich fördert ebenfalls nichts wirklich USD-bullishes (=GBP/USD bearishes) zu Tage. Im globalen Währungsuniversum zeigt sich die Bank of England nach der FED am restriktivsten, was in Verbindung mit obiger, statistischer Ausarbeitung realistisch bullishes Potential für GBP/USD in Q1/2016 resultiert:

Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

Quelle: DailyFX Research

Bleibt also eigentlich nur der AUD, der mit stark bearishen Vorgaben den USD Index von FXCM auf neue Höchststände schieben könnte. Hierzu benötigte es erneute Turbulenzen am chinesischen Finanzplatz und geldpolitische Interventionen der chinesischen Notenbank PBoC. Und selbst dann wäre nicht zwangsläufig dafür gesorgt, dass der US-Dollar aufwertete, wäre doch wie auch bereits im August durchaus damit zu rechnen, dass die chinesische Regierung/PBoC erneut Fremdwährungsreserven auflöste (sprich US-Dollar verkaufte) und der Greenback infolgedessen unter Druck geriete.

Egal wie man das Bild also dreht und wendet: der US-Dollar kommt in meiner Analyse bzw. meinem Ausblick für das erste Quartal 2016 auf keinen grünen Zweig und blickt einem durchwachsenen ersten Quartal entgegen. Wobei dieser Ausblick die US-Notenbank mit Blick auf einen sich stabilisierenden US-Export und vor dem Hintergrund einer in den globalen Währungskrieg eintretenden chinesischen Notenbank hinter vorgehaltener Hand vielleicht schmunzeln lassen dürfte.

Bevor wir uns dem deutschen Aktienindex DAX widmen ein abschließender Blick auf das bei FXCM meistgehandelte Währungspaar EUR/USD:

Auf Wochenbasis bildet sich im EUR/USD im Bereich um 1,0450/0500 ein Doppel-Boden aus. Im ersten Quartal scheint ein Rücklauf in Richtung der 1,20er Region durchaus realistisch, wobei dies an meinem übergeordnet bearishen Bild für den EUR/USD nichts ändert.

Im Bereich um 1,2000 sehe ich weiterhin eine attraktive Short-Gelegenheit mit Ziel Parität (=1,0000 USD) und tiefer. Ein Fall unter 1,0450/0500 ebnete auf der Kehrseite sofort (und vermutlich zügig) diesen Weg.

Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

Chart erstellt mit FXCMs Trading Station II / Marketscope

Analyse geschrieben von Jens Klatt, Chefanalyst von DailyFX.de

Die Zinsanhebung ist da: bearishes Quartal im USD voraus?

@JensKlattFX

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