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Die EZB feuert ein Warnsignal, wird sie aber im Dezember Maßnahmen ergreifen?

Die EZB feuert ein Warnsignal, wird sie aber im Dezember Maßnahmen ergreifen?

2015-11-25 14:09:00
James Stanley, Währungsstratege
Teile:

Anknüpfungspunkte:

-Die EZB warnte vor einer ‘starken Neubeurteilung der globalen Risikoprämien’, unter Berücksichtigung der möglichen Zinsanhebung der Fed im Dezember und der wirtschaftlichen Verlangsamung in Asien.

- Dies wird als weiteren Grund für den Verkauf des Euros in Erwartung einer Aufstockung des QE Programms der Bank an ihrer Dezember-Sitzung erachtet, aber mit so vielen Warnzeichen , die gleichzeitig aufblitzen, kann die Bank vielleicht vorsichtiger werden und das QE erst NACH dem Entscheid des FOMC im Dezember neu beurteilen.

- Nachdem die Liquidität bereits dünner ist, könnten Schocks oder Überraschungen zu massiven Bewegungen führen, und sollte die EZB ihr eigenes Programm im Dezember nicht aufstocken, könnten wir erleben, dass der EUR/USD eine starke Bid höher schafft, ganz ähnlich wie nach der EZB-Sitzung vom Juni 2014 (weitere Erklärung unten).

Im halbjährlichen Bericht zur Finanzstabilität feuerte die Europäische Zentralbank gegen die restliche Welt ein Warnsignal ab. Die EZB erwähnte das Offensichtliche, und zwei derselben Faktoren, die wir in diesen Market Talk Artikeln über Monate hinweg besprochen haben: Die Verlangsamung in Asien, kombiniert mit der Zinsanhebung der Fed, die starke Bewegungen in der Neubeurteilung der Risikoaktiva auslösen können. Im Klartext heißt das, dass wenn die Zinssätze steigen, die Investoren diese übermäßigen Aufwertungen anzweifeln werden, die sich in den globalen Aktien abzeichneten, da die supertiefen (und andere Anlageklassen wie die Immobilien) Zinssätze die Investmentströme in die riskanteren Anlageklassen (wie Aktien) führten.

Während die Zinssätze jedoch steigen, kann dies deutliche Veränderungen mit sich bringen. Nun sind nicht nur die Opportunitätskosten für Investitionen in Aktien höher (da ein Anstieg der Zinssätze bedeutet, dass mehr Gelegenheiten für Investitionen in Anleihen gegenüber Aktien vorhanden sind), aber wir stehen auch vor einem langen Zyklus mit Zinsanhebungen, die konstant den Druck auf die Betriebsumgebung vieler Unternehmen und sogar der stärksten Volkswirtschaften erhöhen werden. Dies ist nur ein weiterer Grund dafür, in den nächsten 10 Jahren nicht zu aggressiv mit der Zuteilung der Aktien im Investment Portfolio umzugehen, und dieses Umfeld mit steigenden Zinsen kann die Aussicht von Unternehmen innerhalb dieser Volkswirtschaft deutlich verändern.

Dieses Problem betrifft jedoch nicht NUR die starken, entwickelten Volkswirtschaften. Tatsächlich kann man argumentieren, dass je entwickelter eine Volkswirtschaft ist, desto stärker kann sie sich gefährden, während sich die Situation weiterentwickelt; und das liegt an der Globalisierung und der Tatsache, dass die Weltwirtschaft im Wesentlichen gemeinsam in diesem Chaos steckt. Wenn uns die letzten sechs Jahre überhaupt etwas gelehrt haben, so ist es dass die von Währungen angetriebenen Handels- und Kapitalströme den Volkswirtschaften keine dauerhafte Erleichterung bringen. Wir sahen diese Geschichte bereits viele Male in vielen Volkswirtschaften. Die Volkswirtschaft A wertet ihre Währung mit irgendeiner politischen Intervention ab, und dies hilft den Exporten vorübergehend, da eine billigere Währung die exportierten Produkte in den internationalen Märkten verbilligt. Dieser Zunahme in den Geschäften zieht die Hoffnung nach sich, dass die Politik tatsächlich funktionieren könnte, also wird das QE Programm abgebaut oder verlangsamt. Und dann steigt der Wert der Währung und diese Unterstützung für die Exporte ist schneller weg als sie bei der Einführung gewirkt hatte. Die Volkswirtschaft ist wieder im selben Chaos wie vorher, aber jetzt hat sie noch mehr Schulden als vorher.

Das ist im Wesentlichen das, was gerade in Europa passiert. Wir besprachen die Geschichte des EUR/USD und seines Weges im Artikel vom Freitag, Der Euro: Von was immer notwendig ist bis was immer getan werden muss. Der Euro schien praktisch im Sommer 2012 am Ende zu sein. Die PIIGS von Europa warfen genügend Fragen zur langfristigen wirtschaftlichen Machbarkeit auf, und viele hatten eben begonnen anzunehmen, dass der Euro auseinanderbrechen würde. Die Renditen der Staatsanleihen aus Portugal, Italien, Spanien und Griechenland näherten sich den Junk Bond Levels (oder in einigen Fällen stellten sie sie sogar in den Schatten)! Aber erst am 24. Juli 2012 äußerte Mario Draghi sein Versprechen 'was immer nötig ist' zu tun, um den Euro zusammenzuhalten. Im Laufe der darauffolgenden zwei Jahre, stieg der Euro von den 1,2000ern bis fast 1,4000 an; aber dies war nicht unbedingt etwas Gutes für Europa. Ein stärkerer Euro bedeutete nämlich auch, dass es für Ausländer teurer wurde, nach Europa zu reisen oder aus Europa exportiere Güter zu kaufen (wie Volkswagen Autos), und dies verschärfte das Problem der europäischen Industrie und beeinträchtigte die Erholung Europas als Ganzes.

Dies wurde so problematisch, dass wir sahen, wie Europa wieder langsamer wurde, und im Mai 2014 trat Draghi vor und kündigte an, dass die EZB ein QE untersuchen würde. Es wurde an der Sitzung keine andere formelle Ankündigung gemacht, nur dass eine Ankündigung gemacht werden würde. Die Investoren verkauften den Euro aufgrund der Erwartung einer Ankündigung an der Juni-Sitzung der EZB (ganz ähnlich wie jetzt zu sehen ist, mit der Dezember-Sitzung der EZB). Im Juni wurden wir mit der Bekanntmachung enttäuscht, dass die EZB kein QE einführen würde, und der Euro sprang kurz von 1,3500 auf 1,3700 hoch. Im Juli aber erhielten wir endlich die Nachricht, die alle erwartet hatten, und der Euro startete seinen freien Fall von mehr als 3.000 Pips, der bis März dieses Jahres andauerte.

Da gibt es nur ein Problem: Zu diesem Zeitpunkt hatte das europäische QE noch nicht zu 'funktionieren' begonnen. Das heißt, wir sahen zwar die ersten Zeichen einer Inflation, von der viele erhofften, dass sie dem Wachstum vorangehen würde, aber dies wurde noch nicht Wirklichkeit.

Nachdem dieses Tief im März im EUR/USD verzeichnet wurde, startete der Euro eine Bären-Flaggen-Formation, die den EUR/USD in einem relativ beständigen aufwärts gerichteten Kanal an der Unterseite des Abwärtstrends traden ließ. Dies war eine der Methoden, die wir den Tradern aufzeigten, mit denen Entries bei der Wiederaufnahme des Trends platziert werden konnten, und war im Artikel Ist der Abwärtstrend im EUR/USD bereit für eine Wiederaufnahme?.

Der aufsteigende Kanal im EUR/USD bedeutete jedoch einfach, dass die Erholung in Europa sogar noch schwieriger werden würde, und wenn man dies mit den verschiedenen Druckpunkten in der Welt im Moment kombinieren, vor allem den Rohstoff-Selloff, der deutlichen Verlangsamung in Asien und die erste Zinsanhebung der Federal Reserve in mehr als neun Jahren - scheinen die Aussichten für eine Erholung in Europa nicht besonders rosig.

Also begannen die Sirenen zu heulen, die mehr QE fordern. Und im Oktober gab Draghi der Welt ein erstes Zeichen über das, was sie wollen, als er ankündigte, die Bank würde ihr QE-Programm an ihrer nächsten Sitzung im Dezember überarbeiten. Hier gilt es zu beachten, dass keine Bekanntmachung erfolgte. Es steht noch eine Aufstockung des QEs bevor, und besonders aufgrund der Tatsache, dass Draghi im Allgemeinen bereits das erhalten hatte, was er sich von dieser Ankündigung erhofft hatte, nämlich einen Rückgang im Euro, könnten wir eine Wiederholung vom Mai/Juni 2014 erleben, in ein Großteil der Welt eine Bombe im Dezember erwartet, die jedoch nicht vor Januar oder März abgeworfen wird. Die erste EZB-Sitzung in 2016 ist am 21. Januar, gefolgt von der nächsten Sitzung am 10. März.

Mit einer sehr nachdenklichen Fed-Sitzung auf dem Kalender am 16. Dezember, kombiniert mit der Weiterentwicklung dieser 'Themen' weltweit, könnten wir erleben, dass die Europäische Zentralbank einen Schritt zurück macht und lieber etwas Schießpulver auf dem Trockenen hält für den Fall, dass die Märkte erneut eine Wende wie im August einlegen (wovon sich die EZB fürchtet, wie sie eben bekanntgab). Falls die Geschichte ein Hinweis ist, so hat die EZB keine Eile, ihre Liquiditätskanone abzufeuern, außer sie ist sich ziemlich sicher, dass sie a) Einfluss ausüben wird b) nicht zwei Wochen später von einer Zinsanhebung der USA annulliert wird und c) versuchen wird, so flexibel wie möglich zu bleiben, da die Eurozone neben den wirtschaftlichen noch viele andere Probleme hat (Verteidigung/Stabilität/Krieg gegen den Terror).

Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, einen Vertrauensvorschuss zu geben, wenn Sie ein Zentralbanker Europas sind.

Die EZB feuert ein Warnsignal, wird sie aber im Dezember Maßnahmen ergreifen?

Erstellt mit Trading Station II; von James Stanley

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