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Enttäuschende Einkaufsmanagerdaten in China deuten auf weitere Abkühlung

Enttäuschende Einkaufsmanagerdaten in China deuten auf weitere Abkühlung

2014-01-23 08:13:00
Erik Welne, Junior Marktanalyst
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(DailyFX.de) – Der aktuelle Flash HSBC/ Markit Einkaufsmanagerindex deutet auf eine Verlangsamung des Wachstums im verarbeitenden Gewerbe hin. Die asiatischen Aktienmärkte gaben daraufhin nach, Sorgen um eine schwächere chinesische Konjunktur belasten den globalen Aufschwung. Erwartet wurde ein Wert von 50,4. Werte über 50 reflektieren eine Expansion. Diese Kennzahl könnte damit eine ähnliche Entwicklung wie schon letztes Jahr anzeigen, als eine merkliche Abkühlung des Wirtschaftswachstums in der ersten Jahreshälte zu beobachten war:

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Die deutlichste Reaktion an den Devisenmärkten konnte im AUD/USD beobachtet werden:

AUDUSD M5

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Der Aussie als traditionelle Rohstoffwährung ist damit nochmals unter Druck geraten, da vor allem die Nachfrage nach australischen Eisenerz und Kohle aus Chinas verarbeitenden Sektor zurückgehen dürfte.

Die neuesten Zahlen zum BIP Wachstum in China (vom Montag), die eine Wachstumsrate von 7,7% für das Jahr 2013 anzeigen, sind auch hinsichtlich des rapiden Wachstums der Geldmenge bezüglich der Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Viele Marktkommentatoren und Ökonomen prangern gerne die angebliche (oder tatsächliche) unseriöse Geldpolitik der Anleiheankäufe und extremen Niedrigzinsen an in den westlichen Volkswirtschaften an, während sich die Geldmenge in der Volksrepublik China beinahe unbemerkt von 2006 bis 2014 vervierfachte:

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M2: Geldaggregat, das grob Bargeld und kurfristige Einlagen bei Banken umfasst

Das Ziel der PBoC gleicht sich dem der westlichen Notenbanken: Niedrige Zinsen und damit vereinfachter Zugang zu Krediten um das chinesische Wirtschaftswachtum, gestützt v.a. auf Anlageinvestitionen und Immobilienprojekten, auf dem gewohnt hohen Niveau zu halten. Dieses Unterfangen wurde umso wichtiger, als im Zuge der Finanz- und Eurokrise die 2 wichtigsten Absatzmärkte, die USA und die Eurozone, in große Schwierigkeiten gerieten.

Anders als die FED oder die BoJ war dieser Geldstimulus zunächst nicht in diesem Ausmaß geplant, oder gar kommuniziert worden. Tatsacht ist, dass die PBoC weiterhin massiv in den Devisenmarkt eingreift, um eine Aufwertung des Yuan und eine damit einhergehende Gefährdung der Exportwirtschaft zu verhindern. Sie bietet demnach also Yuan an und kauft im Gegenzug USD an.

Unterdessen macht sich das billige Geld, beziehungsweise die überbordende Menge an Yuan, in allen Sektoren der chinesischen Wirtschaft bemerkbar. Die Immobilienpreise schossen in die Höhe und nährten immer wieder die Befürchtungen, das es sich hier um eine riesige Blase handelt. Paradoxerweise lässt diese Immobilienpreisinflation viele chinesischen Bauern, die in die Metropolen ziehen wollen um am Aufschwung teilzuhaben, außen vor. Es ist ein erklärtes Ziel der chinesischen Regierung, den Anteil der Chinesen, die in Städten wohnen, von jetzt 51% auf 60% bis 2020 anzuheben. Dies entspricht immerhin einer Bevölkerung von 122 Mio Menschen, oder anders ausgedrückt, 35 Mal eine Stadt der Größe Berlins. Mit den hohen Immobilienpreisen ergibt sich allerdings eine riesige Hürde für die verarmte Landbevölkerung, in die urbanen Zentren zu ziehen.

Der andere Sektor, in dem das viele billige Geld seine negativen Auswirkungen zeigt, ist der Bankensektor. Viele Banken sind mittlerweile so aufgebläht mit „non-performing loans“, also notleidenen Krediten, dass ihr Überleben beinahe täglich am guten Willen der PBoC abhängt, weiterhin Übernachtkredite im gewohnten Umfang auszugeben. Der freie Kapitalmarkt ist für diese Banken beinahe verschlossen, da sich die Finanzinstitute mittlerweile untereinander kaum Vertrauen schenken. Was passiert, wenn die PBoC entscheidet weniger Kredite über Nacht bereitzustellen, war in den mehrfachen Credit/ und Cash Crunches des letzten Jahres zu beobachten, dem letzten im Dezember. Der Wille der PBoC, den Schattenbankensektor und die Finanzindustrie allgemein in ihren Kreditvergabepraktiken zu disziplinieren, ist erkennbar. Allerdings schlittert China damit jedesmal knapp an einer Bankenkrise vorbei, die selbst den Kollaps einer Großbank wie Lehman Brothers 2008 in den Schatten stellen würde.

Das große Thema der nächsten Dekade ist weiterhin eine Transformation der derzeitigen investitionsgetriebenen Konjunktur hinzu einer modernen Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft. Diese Entwicklung wird allerdings unterminiert von der Instabilität des Bankensektors und der problematischen Entwicklung auf dem Häusermarkt für die weitere Urbanisierung der Bevölkerung .

Insgesamt bieten die jüngsten BIP Zahlen damit keine große Erleichterung, dass die PBoC und die politische Führung Chinas das Wachsum anhaltend auf diesem Niveau wird halten können. Wachstumsraten von 6,5 – 7 Prozent in den nächsten Jahren sind in diesem Zusammenhang realistischer und meine Prognose zum Wachstum in 2014 befindet sich im Bereich von 7,0%.

Übrigens, der Shanghai Composite, der die größten börsengelisteten Unternehmen Chinas umfasst, verlor seit 2006 rund 67% seines Wertes. Ganz offensichtlich wird an den Aktienmärkten in China schon lange eine rückläufige Gewinnerwartung im Unternehmenssektor gespielt. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen dürften sich als weitere Belastung erweisen. Bemerkenswert ist diese Entwicklung insbesondere vor dem Hintergrund der weltweiten Rallye an den westlichen Aktienmärkten. Viele Anleger, die in chinesische Aktientitel in den Boomjahren 2006-2008 investierten, also zu einem Zeitpunkt als die chinesische Wirtschaft regelmäßig mehr als 12 Prozent wuchs, mussten einen massiven Verlust ihrer Anlagen verbuchen. Meine Einschätzung zu chinesischen Anlageprodukten, insbesondere in Aktien chinesischer Unternehmen, bleibt trotz des Kursverfalls weiterhin stark negativ.

Die steigenden Zinsen im Zuge der Verknappung der Liquidität dürften eine Konsolidierung nochmal beschleunigen und existierende Überkapazitäten abbauen. Das große Ausfallrisiko von chinesischen Unternehmensanleihen spricht Bände, ebenso die Menge an notleidenden Krediten in den Büchern der Banken. Insgesamt kann ich vor einer Investitionsentscheidung in chinesischen Aktien nur warnen.

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Analyse geschrieben von Erik Welne, Junior Marktanalyst von DailyFX.de

Um Erik Welne zu kontaktieren, senden Sie eine E-Mail an instructor@dailyfx.com

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