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Der 60 Punkte Plan und warum sich Chinas Wirtschaftswachstum normalisieren wird

Der 60 Punkte Plan und warum sich Chinas Wirtschaftswachstum normalisieren wird

2013-11-18 16:45:00
Erik Welne, Junior Marktanalyst
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(DailyFX.de) – Die chinesischen Reformvorschläge des 3. Plenums von letzter Woche sind die einschneidensten Veränderungen seit mehr als 30 Jahren. Die Betrachtung der einzelnen Reformen, lassen das Ziel der chinesischen Führung sichtbar werden: Die Schaffung einer auf marktwirtschaftlichen Prinzipien aufbauenden, konsumorientierten Gesellschaft.

Neben der beachtlichen Lockerung des chinesischen Staatseinflusses auf das Leben seiner Bürger, werden vor allem die angedachten Wirtschaftsreformen den Anspruch Chinas auf eine Vorreiterrolle unter den BRIC Staaten manifestieren.

Die wichtigsten Wirtschaftsreformen im Überblick:

  • Beschleunigung der Yuan Konvertierbarkeit (v.a. zum USD)
  • Reform zur Aufhebung der staatlichen Preisfestlegung für Öl, Gas, Strom, Wasser, Transport, Telekommunikation und andere Sektoren
  • Zugang von Lokalbehörden zum Kapitalmarkt (über die Vergabe von Anleihen) zur Finanzierung von z.B. Infrastrukturprojekten
  • Neue Freihandelszonen
  • Die Verbesserung des Interbanken Marktes mit Blick auf Renditekurve und Angebot und Nachfrage an Liquidität
  • Rückführung der Anzahl an Staatsbetrieben; Gewinne der Staatsbetriebe werden zu 30% zur Finanzierung des Öffentlichen Haushalts verwendet (v.a. Sozialversicherungswesen); zuvor nur 15%
  • Hukou Reform ermöglicht es der Landbevölkerung vermehrt in die Städte zu ziehen. Vorher gab es weitreichende Restriktionen.

Insgesamt lässt sich viel Positives zu den angedachten Reformen sagen. Der Wille für eine weitere Öffnung hinzu marktwirtschaftlicher Preisfindung, freien Handels und das Zugeständnis entscheidender Bürgerrechte (Abkehr von Ein-Kind-Politik, Abschaffung von Arbeitslagern) ist klar zu erkennen.

Sorge bereitet hingegen die fehlende Fokusierung auf die große Anzahl an notleidenden Krediten in den Büchern der chinesischen Großbanken. Die meisten dieser Kredite stammten aus dem Jahr 2008, als die Regierung ihren Wirtschaftsstimulus in Folge der Wirtschaftskrise über den Bankensektor abwickelte und die Kredite nicht über Regierungsetats abgesichert wurden, zum Beispiel über die Bilanz der Peoples Bank of China (PboC). Diese notleidenden Kredite müssten nach westlichen Standards abgeschrieben werden. Die Folge ist ein immer wieder zu beobachtender Liquiditätsengpass, der sich in oftmals schlagartig steigenden Interbankenzinsen zeigt. Zuletzt beobachtenden wir eine solche Kreditklemme Ende Oktober und bis heute illustriert eine stark inverse Zinsstrukturkurve das fehlende Vertrauen der Banken zueinander. Die Instabilität des Bankensektors ist demnach als Unsicherheitsfaktor zu werten, insbesondere in Hinblick auf die weitere Kreditvergabe an den privaten Sektor um zukünftiges Wachtstum zu finanzieren.

Bedenkenswert scheint auch, dass die Fortführung der Wachstumsdynamik der letzten Jahrzehnte unter diesen Vorzeichen illusorisch ist. Die Aufholjagd Chinasist nicht vorbei, beträgt das chinesische Pro-Kopf BIP in China doch gerademal 8.000 US-Dollar. Das Pro-Kopf BIP in den USA beträgt im Vergleich dazu ca. 43.000 USD. Die nächste Phase der wirtschaftlichen Konvergenz dürfte allerdings wesentlich weniger dynamisch vorangehen.

Die Reformen zielen auf die Entwicklung einer modernen und urbanen Dienstleistungsgesellschaft ab. Die Profitmargen im Dienstleistungssekor sind weit entfernt von den Gewinnmöglichkeiten des Verarbeitenden Gewerbes. Den Status als Werkbank der Welt wird China deshalb nicht so schnell abschütteln. Die Wachstumszahlen des BIP werden das Niveau der letzten Jahrzehnte nicht mehr erreichen. Der Rohstoffbedarf Chinas wird ebenfalls langsamer steigen. Das zeigt sich zum Beispiel heute in den eher moderaten bis nicht vorhandenen Reaktion an den Rohstoffmärkten, zum Beispiel im WTI (NYME) Preis oder dem Preis für Kupfer:

Der_60_Punkte_Plan_und_warum_sich_Chinas_Wirtschaftswachstum_normalisieren_wird_body_Picture_2.png, Der 60 Punkte Plan und warum sich Chinas Wirtschaftswachstum normalisieren wird

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: das Wachstum der Investitionen in Kapitalanlagen der letzten Jahre lag bei durchschnittlich 15%, wohingegen das Konsumwachstum durchschnittlich 9% betrug. Aus der Transformation der chinesischen Wirtschaft hinzu eines größeren Dienstleistungssektors, leitet sich ein deutlich kleineres Trendwachstum ab. Zweistellige Wachstumszahlen werden der Vergangenheit angehören. Selbst ein Wachstum von 6-7% darf nicht mehr wie selbstverständlich angenommen werden.

Die zum Teil prekäre Lage des Bankensystems und das immer wieder befürchtete Platzen einer Immobilienpreisblase in den urbanen Zentren des Landes, gehören zu den größten Unsicherheitsfaktoren für die erfolgreiche Wandlung der Wirtschaft. Insgesamt wird das Wirtschaftswachstum in China ganz einfach gesagt konventioneller und abhängiger von den global zu beobchtenden Wachstumszyklen.

Dies alles hat Implikationen für den Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftssraum, zum Beispiel für Australien und dessen Rohstoffexporten. Die Veränderungen in China werden auch hier ihre Spuren hinterlassen, bzw. haben zum Beispiel den Arbeitsmarkt in Australien ins Ungleichgewicht gebracht und tragen zur aktuellen Schwäche des Aussie bei.

Analyse geschrieben von Erik Welne, Junior Marktanalyst von DailyFX.de

Um Erik Welne zu kontaktieren, senden Sie eine E-Mail an instructor@dailyfx.com

Folgen Sie Erik Welne auf Twitter: @ErikWelne

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