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Zypern: ein Politiker-Traum, ein Euro-Albtraum

Zypern: ein Politiker-Traum, ein Euro-Albtraum

2013-03-18 13:22:00
Jens Klatt, Marktstratege
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Wie heute morgen im Morning Meeting angesprochen hätte ich persönlich es nicht für möglich gehalten, dass Zypern das Potential besitzen würde, eine derartig Aufregung unter den Marktteilnehmern zu begünstigen.

Einführend: um eine Vorstellung von der Größe Zyperns zu bekommen: Zyperns Bruttoinlandsprodukt lag 2011 bei rund 25 Milliarden US-Dollar. Im S&P500 Aktienindex gibt es alleine 142 Unternehmen, die über eine höhere Marktkapitalisierung als besagte 25 Mrd. US-Dollar verfügen.

Und dennoch könnte mit der Entscheidung in Brüssel am Freitagabend ein Präzedenzfall geschaffen worden sein, der eine explosive Mischung für die gesamte Euro-Zone beinhaltet.

Das Hilfspaket um die angeschlagenen zypriotischen Banken zu retten beträgt 10 Milliarden Euro, als Voraussetzung ist jedoch eine sogenannte Bankensteuer angedacht, wonach Guthaben der Sparer unter 100.000 Euro mit 6,75%, Guthaben über 100.000 Euro mit 9,9% besteuert werden sollen.

Ich denke mir wird jeder zustimmen, wenn ich diese Vorgehensweise als Zwangsenteignung bezeichne. Die Problematik ist jetzt weniger Zypern selbst. Eher wird hier ein Präzedenzfall geschaffen, der das Potential besitzt für Aufruhr beispielsweise in Griechenland und Spanien zu sorgen. Erinnern wir uns an die Worte die noch vor Kurzem als Synonym für Griechenland Einzug in den deutschen Sprachgebrauch Einzug hielten: „Ein Fass ohne Boden“. Ähnliches war im Zusammenhang mit dem letzten Banken-Stresstest in Spanien zu hören, auch hier ist sich jeder darüber im Klaren, dass der spanische Bankensektor optimistisch als „marode“ bezeichnet werden sollte.

Auf mich macht Zypern nun den Eindruck als Testobjekt zu dienen um seitens der EU-Offiziellen mal zu schauen, wie die Reaktion der Bevölkerung auf eine solche Vorgehensweise wohl ist. Aufgrund der Größe Zyperns sind die Auswirkungen auf die EU als Gesamtes als nicht sonderlich groß anzusehen.

Doch die Signalwirkung auf Länder wie Griechenland, Spanien und Italien ist fatal. Die Versicherung, dass diese Vorgehensweise einzigartig ist, ist das Eine, die Nervosität und Angst der Menschen vor einer Zwangsenteignung etwas komplett Anderes.

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang doch die politische Situation in Italien an: die aktuelle politische Führungslosigkeit und das Vorgehen in Zypern spielt offiziellen Euro-Gegnern wie Silvio Berlusconi und Beppo Grillo in die Karten und zaubert diesen wohl ein Lächeln auf die Lippen.

Ähnlich die Situation in Spanien: noch im November/Dezember äußerte sich Mariano Rajoy vor dem spanischen Volk sinngemäß mit den Worten „Wem glaubt ihr eher: mir oder denen (den EU-Offiziellen)?“ Zypern dürfte Mariano Rajoy in Spanien nun wieder deutlichen Rückenwind bescheren.

Der Euro bzw. die gesamte Euro-Zone steht nach dieser Entwcklung in Zypern nun am Scheideweg und ich persönlich sehe kaum Möglichkeiten die aktuelle Spannungen zu lösen. Denn nicht nur in Griechenland, Spanien und Italien ist die Situation angespannt.

In Deutschland ist im September Bundestagswahl. In den vergangenen Monaten wurde in den deutschen Medien sehr viel dafür getan, den Unmut des deutschen Steuerzahlers zu schüren. Nun hat Angela Merkel bereits angedeutet, dass sie die Entwicklung / Zwangsenteignung in Zypern tendenziell gut heißt, schließlich kann ja nicht immer der deutsche Steuerzahler die Zeche zahlen. Das will der Wähler hören, doch sind das die Worte, die den Fortbestand des Euros garantieren können? Ich wage es sehr zu bezweifeln.

In meiner Wochenanalyse für den EUR/USD hatte ich für das Währungspaar noch eine potentielle Korrektur-Bewegung Richtung 1,3300 USD gesehen, mittlerweile stellt sich das Bild derart dar, dass die 1,2870 USD wieder in den Fokus rückt. Einer ersten Attacke konnte der EUR/USD noch standhalten, ein Bruch würde den Weg in Richtung des November-Tiefs um 1,2650 USD ebnen.

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