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Sonderfall oder Präzedenzfall? - Zypern gerettet, Eurozone gefährdet!

Sonderfall oder Präzedenzfall? - Zypern gerettet, Eurozone gefährdet!

2013-03-18 12:03:00
Torsten Gellert,
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Oft wurde die Frage in den vergangenen Wochen diskutiert, ob Zypern systemrelevant für die Eurozone sei und das kleine Land, welches gerade einmal 0,2 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Eurozone beiträgt, deshalb gerettet werden muss oder erstmals in der Geschichte der Eurozone ein Mitglied in die Insolvenz geschickt wird. Über das Wochenende nun haben sich die Politiker in Brüssel für eine Rettung entschieden, weil sie bei einer Pleite Zyperns die gesamte Eurozone gefährdet sahen. Allerdings hat man dabei die Gefahr unterschätzt, die von einer Beteiligung der Bankkunden an einer solchen Rettungsaktion ausgehen könnte. Heute noch sind die Banken auf der Mittelmeerinsel aufgrund eines Feiertages geschlossen, aber schon morgen könnten die Bilder vom Ansturm zehntausender Kunden auf die Geldautomaten durch die Medien gehen.

Allerdings muss das Parlament in Zypern dem Hilfspaket und der damit verbundenen Zwangsabgabe von bis zu zehn Prozent des Vermögens noch zustimmen, die Abstimmung wurde auf den heutigen Montag verschoben. Eine nachträgliche Einführung eines Freibetrages für kleinere Kontoguthaben halte ich für sehr wahrscheinlich, Zyperns Präsident hatte noch am Sonntag Abend verkündet, die Belastungen für die Kleinsparer in Grenzen halten und durch andere Maßnahmen wie Beteiligungen an zukünftigen Erträgen kompensieren zu wollen. Über den Sinn einer Beteiligung zum Beispiel russischer Anleger, die auf Zypern ihr Schwarzgeld horten, muss dagegen wohl nicht diskutiert werden. Allerdings steht dieser Schritt auch ganz klar im Widerspruch zu der von der Europäischen Union ausgegebenen Garantie für Sparguthaben bis zu 100.000 Euro, welche nun mit ermäßigten 6,75 Prozent "zwangsbesteuert" werden sollen. Es ist nicht gerade ein Vertrauensbeweis in europäische Institutionen, wenn Regelungen und Gesetze das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind. Um hier nicht noch mehr Vertrauen zu zerstören, wäre auch eine völlige Befreiung von Konten unter 100.000 Euro im Nachhinein noch denkbar. Brisant dabei ist, dass gerade in Brüssel über eine einheitliche europäische Einlagensicherung als Teil der EU-Bankenaufsicht diskutiert wird. Bisher wird diese in den jeweiligen Ländern noch separat geregelt, weshalb es auch nur möglich ist, ein solches Rettungspaket in diesem Fall begrenzt auf ein Land wie Zypern anzuwenden. Noch muss also kein deutscher Sparer um seine Spareinlagen fürchten.

Was aber in jedem Fall bleibt, ist die Angst davor, dass auch bei zukünftigen Rettungsaktionen dieser Art, sei es in Griechenland, aber auch in Italien und Spanien, die privaten Gläubiger stärker beteiligt werden könnten. Wer sich als Anleger davor schützen will, dem bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als seine Konten leer zu räumen und entweder das Bargeld zu Hause unter dem Kopfkissen oder die damit erworbenen Goldbarren im Tresor einem drohenden Zugriff zu entziehen. Genau dieses Szenario war heute bei der Gemeinschaftswährung und beim Goldpreis zu beobachten. Während der Euro unter die Marke von 1,29 US-Dollar fiel, konnte der Preis für das Edelmetall wieder über 1.600 US-Dollar pro Feinunze steigen. Dazu gab es zum Handelsstart in die Woche auch heftige Reaktionen an den Börsen der Welt, ähnlich wie nach der Italien-Wahl beruhigt sich die Situation aber im Augenblick schon wieder. Nun bleibt abzuwarten, ob und in welchem Ausmaß tatsächlich eine Kapitalflucht aus den oben erwähnten Krisenstaaten einsetzt, oder ob Zypern ein Sonderfall bleibt und vor allem, ob die Anleger darauf vertrauen können. Immerhin war auch schon von einem Sonderfall die Rede, als beim Schuldenschnitt in Griechenland private Gläubiger erstmals zur Kasse gebeten wurden.

Eine Antwort darauf, wie hoch das Vertrauen der Investoren in die Eurozone und speziell in die Krisenländer Südeuropas noch ist, könnten wir schon in dieser Woche bekommen. Spanien will schon morgen rund fünf Milliarden Euro durch Anleihen mit einer Laufzeit von drei bis neun Monaten am Kapitalmarkt aufnehmen. Die gleiche Summe folgt am Donnerstag für längere Laufzeiten bis zu zehn Jahren. Vor dem Hintergrund des Zypern-Rettungspaketes erwarte ich hier wieder steigende Renditen. Schon heute Morgen ist die Rendite für spanische zehnjährige Anleihen um 13 Basispunkte wieder über die 5-Prozent-Marke geklettert. Auch Griechenland will morgen den Kapitalmarkt anzapfen, der Renditeanstieg lag nach Bekanntwerden des Zypern-Paketes bei 40 Basispunkten, aktuell notieren die zehnjährigen Bonds wieder bei elf Prozent.

EUR_1803__body_EURUSD.jpg, Sonderfall oder Präzedenzfall? - Zypern gerettet, Eurozone gefährdet!

Gestiegen ist neben den Anleiherenditen und dem Goldpreis aber auch der Schweizer Franken, den die Investoren heute wieder als sicheren Hafen ansteuerten. Der Euro fiel gegenüber der Schweizer Währung in einer ersten Reaktion wieder unter die Marke von 1,22 EUR/CHF, kann sich jetzt allerdings wieder leicht erholen. Genau wie am Morgen nach der Italien-Wahl ist auch heute wieder zu erkennen, dass das Währungspaar wie ein Seismograph auf sämtliche Einflüsse aus der Eurozone reagiert. Die Flucht in den Schweizer Franken wird solange anhalten, bis nicht wirklich zu erkennen ist, dass sich die gesamte Eurozone sowohl finanziell als auch wirtschaftlich stabilisiert. Wie groß das Potenzial an offenen Baustellen ist, zeigen gerade die Beispiele Italien und Zypern. Aber auch das wirtschaftlich am Boden liegende Spanien mit einer Rekord-Arbeitslosigkeit von 27 Prozent und das vor einer Rezession stehende Frankreich liefern keine Argumente für einen steigenden Euro gegenüber Franken und Dollar. Ein erneutes größeres Engagement im Währungspaar EUR/CHF halte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch für verfrüht. Auch ist meine Einschätzung von Anfang Februar, der Euro werde die 1,30 US-Dollar nochmal sehen, da die Eurokrise noch lange nicht vorbei sei, voll aufgegangen. Der Abwärtsmodus ist nun mit dem Zypernproblem bestätigt worden und steigende Kurse der Gemeinschaftswährung sind zunächst nicht zu erwarten.

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