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Stürmischer Wochenstart - Die Lage bleibt auch nach "Sandy" ungemütlich

Stürmischer Wochenstart - Die Lage bleibt auch nach "Sandy" ungemütlich

2012-10-29 12:13:00
Torsten Gellert,
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Vielleicht ist es ja ganz gut, dass die Börsen in den USA heute wegen des herannahenden Wirbelsturms "Sandy" nicht öffnen. So haben zumindest die amerikanischen Investoren ein oder vielleicht auch zwei Tage länger Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie sie das Gemisch aus den bisher wohl eher enttäuschenden Quartalszahlen und der Unsicherheit vor den anstehenden Präsidentschaftswahlen bewerten und sich dementsprechend positionieren sollen. Andererseits muss Wirbelsturm "Sandy" jetzt auch die Begründung dafür liefern, warum die europäischen Börsen zum Wochenstart nachgeben, die Renditen der Krisenländer Spanien und Italien wieder steigen und der Euro mit der Marke von 1,29 EUR/USD kämpft und sie zeitweise schon nach unten durchbrochen hat.

Stuermischer_Wochenstart_-_Die_Lage_bleibt_auch_nach_Sandy_ungemuetlich_body_EURUSDWochen.jpg,  Stürmischer Wochenstart - Die Lage bleibt auch nach "Sandy" ungemütlich

Ich will damit keinesfalls die durchaus gefährliche Situation an der Ostküste der USA verharmlosen. Auch meine Kollegen in New York müssen sich an diesem Morgen überlegen, wie sie ohne öffentliche Verkehrsmittel in ihr Büro kommen. Die US-Börsenaufsicht handelt richtig, wenn sie NYSE und Nasdaq mindestens am heutigen Montag geschlossen lässt. Pfizer verschiebt auch nicht ohne Grund die Veröffentlichung der Quartalsbilanz, genau wie Google, wo eine große Produktpräsentation in Manhattan abgesagt wurde. Ich will damit nur sagen, dass auch ohne "Sandy" den Finanzmärkten eine eher unruhige, wenn nicht gar stürmische Börsenwoche bevor gestanden hätte.

Denn spätestens jetzt kann man wohl festhalten, dass die Effekte aus den Ankündigungen der Europäischen Zentralbank, der US-Notenbank und einiger anderer Zentralbanken eingepreist sind und die Finanzmärkte nun darauf warten, dass den Worten speziell in der Eurozone Taten folgen, die sich dann auch zumindest in einem ersten Schritt auch in den Erwartungen der Realwirtschaft, also der Unternehmer und Konzerne, widerspiegeln. Denn da ist nichts mehr von diesem Optimismus zu spüren, den Anfang September erst Mario Draghi, und kurz darauf Ben Bernanke, versprüht hatten, als sie ankündigten, die Märkte mit Geld fluten zu wollen.

Die in den vergangenen Tagen veröffentlichten Einkaufsmanager- und Geschäftsklimaindizes für Deutschland und die Eurozone sprechen da eine eindeutige Sprache. Aktuell fällt es mir daher sehr schwer, Argumente zu finden, jetzt auf einen steigenden Euro zu setzen. Ganz im Gegenteil: Die Zahlen, die wir aus den USA in den vergangenen Wochen bekommen haben, signalisieren durchaus wieder ein leichtes Anziehen der US-Konjunktur. Zwei Prozent Wirtschaftswachstum im dritten Quartal nach einer ersten Schätzung des Handelsministeriums sind schon ein Wort. Das war deutlich mehr als noch im zweiten Quartal, da lag das Plus noch bei 1,3 Prozent, und auch mehr als von den Volkswirten erwartet. Vor allem der private Konsum, die gute Entwicklung des Immobilienmarktes und gestiegene Staatsausgaben hätten zu diesem Plus beigetragen. Auch die Arbeitslosenquote in den USA ist wieder unter die Marke von acht Prozent gefallen.

Wenn da am Ende aber nicht die Unsicherheit darüber wäre, wer am kommenden Dienstag die US-Präsidentschaftswahl gewinnt. Und vor allem darüber, ob es dem Sieger gelingt, einen Kompromiss mit dem einstigen Gegner zu finden, wenn es um das zu Beginn des kommenden Jahres drohende "Fiscal Cliff" - fiskalische Klippe -, also den massiven Steuererhöhungen und gleichzeitigen erheblichen Ausgabenkürzungen im Staatshaushalt, geht. Volkswirte warnen, eine ausbleibende Einigung und Lösung des Problems könnte zwei bis drei Prozent Wirtschaftsleistung kosten. Am Ende könnte nicht nur die USA, sondern sogar die gesamte Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen, urteilt die Ratingagentur Fitch.

Vor diesem Hintergrund erscheinen zwar die in dieser Woche anstehenden Daten vor allem aus den USA eher zweitrangig, eine Zahl zumindest soll aber nicht unerwähnt bleiben. Für Impulse sollten in jedem Fall die neuesten Zahlen zum US-Arbeitsmarkt, die am Freitag um 13.30 Uhr (und damit eine Stunde früher als gewohnt, da die Amerikaner ihre Uhren noch nicht umgestellt haben!) veröffentlicht werden. Gerechnet wird mit 120.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft. Jede in welche Richtung auch immer gehende Überraschung sollte dann auch Auswirkungen auf die Wahl am Dienstag haben. Gute Zahlen beflügeln Obamas Aussichten auf eine Wiederwahl, schlechte Zahlen geben eher Herausforderer Romney Rückenwind im aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen.

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Die Volatilität nach Veröffentlichung der Zahlen sollte dann auch nur ein Vorgeschmack sein auf das, was den Finanzmärkten meiner Meinung nach in den nächsten Wochen bevorsteht. Die Schwankungen resultierend aus den unsicheren Zukunftserwartungen dies- und jenseits des Atlantiks werden nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch am Devisenmarkt zunehmen, davon bin ich überzeugt. Und Unsicherheit heißt immer Flucht des Geldes in vermeintlich sichere Häfen. Und da zeichnet sich in meinen Augen aktuell ein kleiner Wechsel ab. Was in den vergangenen Jahrzehnten eher der japanische Yen, ist heute zunehmend der US-Dollar. Deshalb favorisiere ich aktuell eine Short-Position im Euro/US-Dollar genauso wie eine Long-Position im US-Dollar zum japanischen Yen. Das Währungspaar EUR/USD hat für mich eher kurzfristig Potenzial bis 1,26. Beim USD/JPY bin ich mittel- bis langfristig sehr optimistisch und erwarte auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten Kurse von 85 USD/JPY.

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