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Britisches Pfund fällt weiter - Inflationsdaten könnten Trend beschleunigen

Britisches Pfund fällt weiter - Inflationsdaten könnten Trend beschleunigen

2012-10-15 13:05:00
Torsten Gellert,
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Torsten Gellert, FXCM - 15. Oktober 2012

Die dritte Woche in Folge hat das britische Pfund nun schon gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Damit scheint das Hoch aus dem Frühjahr dieses Jahres von rund 1,63 GBP/USD, an dem die Währung erneut abgeprallt ist, ein vorerst unüberwindbares Hindernis darzustellen. Neben dieser charttechnischen Konstellation sprechen aber nach wie vor auch viele fundamentale Faktoren für ein eher schwächeres Pfund gegenüber anderen wichtigen Währungen, allen voran dem US-Dollar. Vor drei Wochen habe ich mich in einem Kommentar auf das gerade in den letzten beiden Quartalen drastisch gestiegene Leistungsbilanzdefizit Großbritanniens konzentriert, welches für mich ein eindeutiges Signal für die aktuelle Verfassung der Wirtschaft auf der Insel darstellt. Nach mehreren Jahren mit einer mehr oder weniger stabilen Bilanz, was das Verhältnis von Importen zu Exporten angeht, zeigt der Trend bei den ins Ausland verkauften Waren nun ganz klar nach unten. Auch andere Daten bestätigen die Probleme der britischen Wirtschaft. In der vergangenen Woche meldete das nationale Statistikbüro bei der Industrieproduktion einen Rückgang von 1,2 Prozent im August, womit eindeutig eine Beschleunigung dieses Trends erkennbar ist.

Britisches_Pfund_faellt_weiter_-_Inflationsdaten_koennten_Trend_beschleunigen_body_Pund.jpg, Britisches Pfund fällt weiter - Inflationsdaten könnten Trend beschleunigen

Einen Monat zuvor lag das Minus noch bei 0,8 Prozent. Da wundert es nicht, dass Banken und Institutionen nun reihenweise ihre Schätzungen zur wirtschaftlichen Entwicklung auf der Insel für das Gesamtjahr reduzieren. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht jetzt sogar von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,4 Prozent in 2012 aus, zuvor erwartete der Fonds noch ein Miniplus von 0,1 Prozent. Auch bei den Zahlen zur Verschuldung Großbritanniens überbieten sich in den letzten Tagen die Experten. Die Investmentbank Morgan Stanley erwartet in einer Studie für 2013 neue Schulden in Höhe von 7,8 Prozent des BIP. Der IWF legt nach und geht jetzt von 8,2 Prozent aus. Es ist also nur eine Frage der Zeit, wann der britische Finanzminister sein Ziel von 5,9 Prozent nach oben revidieren muss. Das macht das Leben für die britische Regierung nicht gerade einfacher, die jetzt schon versucht, wie ihre Kollegen vor allem in Südeuropa, an allen Ecken und Enden, allen voran den Staatsausgaben und hier den Sozialleistungen zu sparen. "Es gibt nur einen Weg aus der Armut, und das ist Arbeit" tönte Premier Cameron auf dem Parteitag seiner Tories und kündigte an, die Empfänger von staatlichen Leistungen in Lohn und Brot bringen zu wollen. Nur scheint die Botschaft, in Zeiten leerer Kassen, diese Strategie als wohl überlegte Reformen verkaufen zu wollen, beim Volk nicht so richtig anzukommen. Die linke Konkurrenz von der Labour-Partei liegt aktuell wieder klar vor den Konservativen. Da bleibt am Ende dann wohl doch nur auch die vom IWF schon geäußerte Empfehlung, bei einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage, die Sparmaßnahmen erst einmal in den Hintergrund zu stellen. Die Schulden können ja dann langfristig auch über Inflation abgebaut werden, die dann folgt, wenn die Notenpresse angeworfen wird, um über den Kauf der eigenen Anleihen die Märkte mit frischem Geld zu versorgen. In diesem Konzert der weltweiten Notenbanken mischte auch bisher die Bank of England (BoE) ganz kräftig mit, als Folge daraus befinden sich bereits 30 Prozent der ausstehenden Staatschulden Großbritanniens in ihrer Bilanz. Positiver Nebeneffekt dieser Maßnahmen ist dann auch die Schwächung der eigenen Währung, was wiederum den Exporteuren und damit der Wirtschaft hilft, schneller wieder auf die Beine zu kommen. Um das Vertrauen der Investoren und damit das Risiko schnell steigender Zinsen am Kapitalmarkt allerdings nicht zu zerstören, sollte die Geldpolitik die aktuelle Entwicklung der Inflationsrate immer sehr genau im Blick behalten. Genau hinschauen werden die Notenbanker deshalb am morgigen Dienstag um 10.30 Uhr, wenn neue Zahlen zur Verbraucherpreisinflation im Vereinigten Königreich veröffentlicht werden. Erwartet wird ein weiterer Rückgang im September auf 2,2 Prozent im Jahresvergleich, nach 2,5 Prozent im August. Bei der aktuellen Nachfrageschwäche sowohl aus dem In- als auch Ausland kann ich mir nicht vorstellen, dass wir hier eine Überraschung nach oben erleben werden. Alles was den rückläufigen Trend bestätigt oder gar noch schwächer ausfällt, erhöht den Spielraum für die BoE, weiter in den Markt einzugreifen. Genau so würde dieses dann auch von den Devisenmarktteilnehmern interpretiert werden und das Pfund schwächer tendieren lassen. Einen Tag später, gleiche Zeit, wird dann das Protokoll des Treffens der BoE-Ratsmitglieder von Anfang Oktober veröffentlicht.

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Allerdings gehe ich hier eher von einer relativen Einigkeit des Rates aus, zum damaligen Zeitpunkt das Anleihekaufprogramm unangetastet zu lassen, denn das Volumen der jüngsten Aufstockung wird frühestens Ende dieses Monats ausgeschöpft sein. Gleichzeitig wird die aktuelle Arbeitslosenstatistik veröffentlicht, hier gehen die Analysten von einem Rückgang im September von 3.000 Anträgen aus. Genug Stoff also in den nächsten Tagen, um wieder etwas mehr Volatilität in das Währungspaar GBP/USD zu bringen. Ich bleibe bei meiner Einschätzung, dass das Britische Pfund eher Potenzial nach unten hat. Wie schnell und wie weit die Marke von 1,60 GBP/USD nach unten durchbrochen wird, könnte sich in den nächsten Handelstagen entscheiden. Mittel- bis langfristig erwarte ich Kurse von um die 1,50 GBP/USD.

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