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Briten laufen in die Schuldenfalle - Pfund sollte langfristig abwerten

Briten laufen in die Schuldenfalle - Pfund sollte langfristig abwerten

2012-09-27 13:08:00
Torsten Gellert,
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Torsten Gellert, FXCM - 27. September 2012

Der Anstieg des Britischen Pfunds in Reaktion auf die heute Morgen veröffentlichten Zahlen ist wohl der Nachricht zuzuschreiben, dass die verfügbaren realen Haushaltseinkommen der Briten im zweiten Quartal um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen sind. Das war der stärkste Anstieg seit 2009 und ist scheinbar das Licht am Ende des Tunnels, welches die Briten in einer jetzt schon drei Quartale andauernden Rezession sehen. Zwar ist auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Monaten April bis Juni nicht ganz so stark gefallen wie zunächst angenommen, aber das Minus von 0,4 Prozent sollte in meinen Augen noch nicht als Trendwende interpretiert werden.

Briten_laufen_in_die_Schuldenfalle_-_Pfund_sollte_langfristig_abwerten_body_D202075C737A09A7523APRIVAT.png, Briten laufen in die Schuldenfalle - Pfund sollte langfristig abwerten

Konzentrieren wir uns doch mal auf die andere Zahl, die heute ebenfalls veröffentlicht wurde. Das Leistungsbilanzdefizit Großbritanniens hat im zweiten Quartal mit 20,8 Milliarden Britischen Pfund (ca. 26 Milliarden Euro) einen Rekord erreicht. Diese Höhe entspricht 5,4 Prozent des BIP. Nun ist es keine Überraschung, dass Großbritannien weniger in die Welt exportiert als es Waren auf die Insel einführt, aber ein Blick auf die vergangenen Quartale zeigt gerade in diesem Jahr einen eindeutigen Ausbruch aus einer eher stabilen Entwicklung nach unten. Auch das Defizit für das erste Quartal wurde im Übrigen von 11,2 auf nun 15,4 Milliarden Britischen Pfund nach oben revidiert.

Langfristig könnte sich dieser negative Trend als ein großes Hindernis auf dem Weg hin zur Überwindung der Rezession und Rückkehr zu einer wieder wachsenden Volkswirtschaft darstellen. Aktuell ist zum Abbau der hohen Schulden vor allem die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit ein ganz großes Thema in der Debatte um notwendige Strukturreformen in Ländern wie Griechenland, Portugal und Spanien. Dabei lag das Leistungsbilanzdefizit zum Beispiel Spaniens im vergangenen Jahr bei nur noch 3,5 Prozent. Selbst Portugal hat es geschafft, sein Defizit in 2011 auf nur noch sechs Prozent zu halbieren. Dies sind alles Ergebnisse der Korrekturen zu hoher Lohnstückkosten und einer damit einhergehenden Produktivitätssteigerung durch Entlassungen und Kapazitätsabbau. Und nicht zu vergessen sind die Sparmaßnahmen der Regierungen dieser Länder, die zum Beispiel die Ausgaben im öffentlichen Dienst radikal senken und Sozialleistungen kürzen. Die Folge sind Proteste der Menschen in Südeuropa, die uns tagtäglich in den Nachrichten präsentiert werden.

Das alles könnte Großbritannien noch bevorstehen. Zwar spart das Land schon, aber nach aktuellen Analysen scheinbar noch nicht genug. Eine aktuelle Studie von Morgan Stanley erwartet eine Neuverschuldung Großbritanniens im kommenden Haushaltsjahr von 126 Milliarden Pfund (ca. 159 Milliarden Euro), was 7,8 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Das wäre die höchste Neuverschuldung in ganz Europa. Zum Vergleich: Für Spanien rechnet die US-Investmentbank mit sechs Prozent, selbst Griechenland kommt mit 6,3 Prozent besser weg. Die britische Regierung selber rechnet noch mit 5,9 Prozent Neuverschuldung, was wohl spätestens Anfang Dezember von Schatzkanzler Osborne bei der Vorstellung des Haushaltsetats für das kommende Jahr korrigiert werden muss.

Ein noch nicht erwähnter Grund für die fallenden Exporte von der Insel in die Welt ist natürlich auch das für meinen Begriff vor allem auch in dem oben beschriebenen Szenario immer noch zu starke Britische Pfund. Vor allem gegenüber dem US-Dollar hat das Pfund in den vergangenen Wochen entgegen meinen Erwartungen stark an Wert gewonnen und liegt mit 1,62 GBP/USD nah am Jahreshoch aus dem Mai. Die Ursache dafür liegt für mich ganz klar erst in den Spekulationen, dann aber durch die US-Notenbank geschaffenen harten Fakten einer neuen geldpolitischen Lockerung QE3, die durch das frisch gedruckte Geld den Dollar aufweicht. Fast schon zu ruhig ist es da um die Maßnahmen der Britischen Notenbank geworden, die in den vergangenen Monaten ihr Anleihekaufprogramm immer weiter aufgestockt hat. Das nächste Treffen der Notenbanker findet am kommenden Donnerstag statt. Im Normalfall wäre ich davon ausgegangen, dass nach den Entscheidungen aus der Eurozone, den USA und Japan auch auf der Insel noch einmal nachgelegt wird, was die Anleihekäufe angeht. Stutzig machen mich da aber die Aussagen des Direktors der Bank of England (BoE), Paul Fisher, heute in der "Sun". Neben einer bei 2,5 Prozent stabilen Inflation in den nächsten zwei bis drei Jahren erwartet er "sehr gute" Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal. Ein Ausbleiben irgendwelcher Maßnahmen zur Lockerung der Geldpolitik sollte das Pfund zumindest kurzfristig weiter stärken, da die Mehrheit der Marktteilnehmer aktuell eher noch von solchen Schritten ausgeht.

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Spätestens im November rechne ich dann aber mit weiteren Maßnahmen in diese Richtung, auch und gerade wegen des starken Pfunds aus Sicht der Exporteure. Auch die BoE wird in dem Wettlauf um die schwächste Währung weiter mitmischen und ist eher an einem schwächeren Pfund interessiert. Daher bleibe auch ich weiter bei meiner Erwartung, dass das Pfund gegenüber Euro und Dollar in den nächsten zwölf Monaten an wert verlieren wird. Gerade im "Cable", also dem Währungspaar GBP/USD ergibt sich eine interessante Einstiegsmöglichkeit, sollte das Pfund am Mai-Hoch wieder abprallen. Dann sind für mich auf längere Sicht auch wieder Kurse um 1,52 GBP/USD und darunter denkbar. Gegenüber dem Euro erwarte ich in diesem Zeitraum Kurse von 0,85 EUR/GBP.

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