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Ifo-Index zeigt die Realität - Langsam verpufft der Notenbank-Effekt

Ifo-Index zeigt die Realität - Langsam verpufft der Notenbank-Effekt

Torsten Gellert,

Torsten Gellert, FXCM - 24. September 2012

Der Index des Münchner Ifo-Institutes hat heute Morgen einige Kratzer auf die rosa-roten Brillen der Investoren gezaubert, die sie nach den Ankündigungen der Notenbanken, quasi unlimitiert Geld zu drucken, aufgesetzt hatten. Scheinbar haben diese Aktionen nur die Finanzmarktteilnehmer, nicht aber die Unternehmer und Manager in den Chefetagen der befragten 7.000 Firmen beeindruckt. Diese schauen eher in ihre Auftragsbücher und gerade bei den Exporteuren sehen diese aktuell alles andere als gut aus. Besser sieht es dagegen im Groß- und Einzelhandel aus, die Konsumlust der Deutschen scheint weiter ungetrübt. Da werden wir schon morgen neue Zahlen bekommen. Erwartet wird eine Stagnation des GfK-Konsumklimas auf dem vergleichsweise hohen Niveau von 5,9 Punkten.

Dass die Euro-Krise vor allem die deutschen Exporteure trifft, wundert nicht, fallen doch die Griechen, Portugiesen, aber vor allem die Italiener und Spanier als Käufer für zum Beispiel hochwertige und teure Premium-Automobile "Made in Germany" aus. Dazu passen dann auch die Worte von Daimler-Chef Dieter Zetsche aus der vergangenen Woche: "Wir haben in Europa zunehmend schwierige Marktbedingungen." Die Gewinnwarnung des Autobauers schickte die Daimler-Aktie auf Talfahrt. Dem gesamten Aktienmarkt konnte dies nur kurz die Stimmung verhageln, aktuell präsentiert sich der DAX in einer äußerst robusten Verfassung, auch nach dem großen Verfallstag am Freitag halten sich die Gewinnmitnahmen heute Morgen in Grenzen.

Ifo-Index_zeigt_die_Realitaet_-Langsam_verpufft_der_Notenbank-Effekt_body_x0000_i1025.png, Ifo-Index zeigt die Realität - Langsam verpufft der Notenbank-Effekt

Beim Euro allerdings zeigen sich nach der Rally der vergangenen Wochen erste Bremsspuren. Die Marke von 1,30 US-Dollar hat gerade einmal eine Woche gehalten, der schlechte Ifo-Index von heute Morgen schickte die Gemeinschaftswährung Richtung 1,29 EUR/USD. Aktuell gehe ich zwar nicht davon aus, dass der Euro die im Juli erreichten Tiefstände knapp über 1,20 EUR/USD wieder erreicht, aber eine Korrektur bis auf das Niveau vor der historischen Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) Anfang September von rund 1,26 EUR/USD halte ich durchaus für möglich. Zwar konnte die EZB schon allein mit der Ankündigung des Anleihekaufprogrammes OMT die Refinanzierungskosten für Italien und Spanien am Kapitalmarkt senken. Wie lange dieser Effekt allerdings noch anhält, ist für mich sehr fraglich.

Spanien konnte in der vergangenen Woche bei hoher Nachfrage 4,8 Milliarden Euro am Markt aufnehmen, die Rendite für zehnjährige Papiere lag mit 5,67 Prozent rund einen Prozentpunkt niedriger als noch im August. Am morgigen Dienstag will Spanien noch kurzfristige Staatsanleihen am Markt platzieren. Noch also scheint die Rechnung der EZB aufzugehen, dass die Hoffnung auf die Wirkung ihres Programmes den Anleihemarkt stabilisiert. Dennoch ist mit diesem Programm auch verknüpft, dass sich Länder wie Spanien unter den Rettungsschirm begeben und zu tiefgreifenden Reformen verpflichten. Falls aber der zögernde Ministerpräsident Rajoy noch länger mit einem solchen Antrag warten sollte, könnten die Renditen auch schnell wieder auf alte Höchststände steigen.

Stellt sich die Frage danach, ob der, der sich den drohenden Sparauflagen nicht beugen will, überhaupt in der Lage ist, sein Land einem grundlegenden Strukturwandel zu unterziehen. Denn nur mit weniger zu zahlenden Zinsen allein lässt sich zum Beispiel eine Arbeitslosigkeit von 25 Prozent nicht beseitigen. Notwendig dafür ist die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit, die vor allem mit einer Senkung der hohen Lohnstückkosten zu erreichen ist. Auf diesem Weg haben Spanien und Portugal zwar schon ein größeres Stück zurückgelegt, hier hängt vor allem Italien noch weit hinterher. Die Folge sind weiter hohe Leistungsbilanzdefizite dieser Länder, die durch Hilfskredite ausgeglichen werden müssen. In Spanien kommt das Problem mit den immer noch überbewerteten und oft leer stehenden Immobilen hinzu, welche die Bankbilanzen belasten. Fallen die Preise weiter, lähmt das nicht nur die Banken, sondern auch die gesamte Wirtschaft.

Und wie heute Morgen beim Ifo-Index gesehen, braucht auch Deutschland schnell wieder ein wirtschaftlich stärkeres Europa, sonst könnte die internationale Organisation OECD sogar Recht bekommen, die für Deutschland zumindest eine Mini-Rezession voraussagt. Noch steigen die Aktienmärkte aus Mangel an Alternativen zu den sonst sehr niedrigen Zinsen für sicherere Anlagen am Kapitalmarkt. Doch zu einem stabilen und langfristigen Aufwärtstrend muss sich neben weiteren Geldzuflüssen auch die Grundlage, also die Gewinnsituation der Unternehmen, dazu gesellen, sonst droht das Kartenhaus irgendwann einzubrechen. Noch allerdings glaube und erwarte ich dies für die Aktienmärkte, damit auch für den DAX nicht.

Gleiches gilt für den Euro. Keine erneute Talfahrt, aber folgen nach den geldpolitischen Worten der vergangenen Wochen nun zeitnah keine wirtschaftspolitischen Taten, werden wir die 1,40 EUR/USD wohl dieses Jahr nicht mehr sehen. Interessant finde ich auch vor diesem Hintergrund eine Kombination aus einem Engagement in den DAX, also einer Long-Position, und einer Verkaufsposition (Short) im EUR/USD. Das Ergebnis könnten kleine Gewinne bei begrenztem Risiko sein. Kommt es zu einem plötzlichen Stimmungsumschwung, ist man über den dann fallenden Euro gut abgesichert.

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