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Goldpreis in Wartestellung - Notenbankpolitik führt in die Inflation

Goldpreis in Wartestellung - Notenbankpolitik führt in die Inflation

Research, Analysten-Team

Torsten Gellert, FXCM - 20. August 2012

Eine neue Wette an den Finanzmärkten könnte bald starten: Wie viel Geld kann und wird die Europäische Zentralbank (EZB) drucken, um den Spekulanten auf immer höhere spanische und italienische Anleihezinsen ein für alle Mal das Handwerk zu legen? Diese Frage ist leicht beantwortet und deutet auch auf eine ziemlich hohe Wahrscheinlichkeit hin, wer diese Wette am Ende gewinnen wird. Denn vorausgesetzt, die Druckerpressen versagen nicht ihren Dienst, sind der EZB keine Grenzen gesetzt, ihren Plan, Anleihekäufe immer dann vorzunehmen, wenn die Zinsen einen bestimmten Aufschlag auf die Renditen deutscher Staatspapiere überschreiten, konsequent umzusetzen.

Goldpreis_in_Wartestellung_-_Notenbankpolitik_fuehrt_in_die_Infaltion__body_Picture_1.png, Goldpreis in Wartestellung - Notenbankpolitik führt in die Inflation

So langsam aber sicher werden damit weitere Konturen des Planes der EZB deutlich, den Mario Draghi vor gut drei Wochen mit den Worten ankündigte, den Euro um jeden Preis retten zu wollen und dafür alles notwendige zu tun. Meine Prognose, die Notenbanken dieser Welt werden die Märkte auch in Zukunft mit Liquidität versorgen, erhält damit immer weitere Nahrung. Und auch das Problem der hohen Schulden und damit die Schuldenkrise werden zumindest bei nachhaltig hoher Inflation langfristig kontrollierbar. Der klassische Weg der Entschuldung erfolgt über die Inflation, nominal bleiben die Verbindlichkeiten die Gleichen, aber real sinken sie mit jedem Prozent Inflation. Was für den kleinen Sparer und damit den Gläubiger die Hölle, ist für die großen Schuldner das Paradies, dies gab uns schon Börsen-Altmeister André Kostolany mit auf den Weg.

Der beste Schutz vor einer drohenden Inflation sind Sachwerte: Immobilien, auch Aktien, aber vor allem sehr klassisch und traditionell das Gold. Und deshalb reagiert der Goldpreis auch wie ein Seismograph auf alles, was von den Notenbanken dieser Welt kommt. Er steigt, sobald sich die Wahrscheinlichkeit von geldpolitischen Lockerungen aufgrund sich einer immer weiter verschlechternden Konjunktur erhöht. Er reagiert enttäuscht und mit Kursverlusten, bleiben die Notenbanker nur vage in ihren Andeutungen und kündigen nicht gleich weitere billige Kredite in Billionenhöhe für die Banken (LTRO) oder massive Anleihekäufe nach amerikanischem Muster (Quantitative Easing QE3) an.

Deshalb könnte genau ein Termin in dieser Woche sehr interessant werden. Die amerikanische Notenbank (Fed) veröffentlicht am Mittwoch das Sitzungsprotokoll ihres Treffens von Anfang August. In den vergangenen Tagen wurde die Stimmung durch Äußerungen von zwei Notenbank-Gouverneuren eher in Richtung Zurückhaltung beeinflusst. Jeffrey Lacker, Fed-Mitglied aus Richmond betonte noch einmal, dass die Wirkung solcher Maßnahmen auf das Wachstum und vor allem den Arbeitsmarkt überschätzt werde und warnte vor den damit verbundenen Inflationsgefahren. Sein Kollege aus Minneapolis Kocherlakota pflichtete ihm bei und bezeichnete es als einen Fehler, sich jetzt schon auf eine konkrete Dauer der Null-Zins-Phase festzulegen.

Die Frage ist jetzt, wie stehen die anderen Mitglieder im Offenmarktausschuss zum Thema QE3 und wo liegen die Erwartungen der Marktteilnehmer. In meinen Augen rechnet der Großteil der Investoren nicht schon auf dem nächsten Treffen am 12./13. September mit einem solchen Schritt. Auch ich erwarte eine neue Finanzspritze erst für Ende dieses oder Anfang des nächsten Jahres. So konnten die jüngst veröffentlichten Konjunkturdaten aus dem Einzelhandel (ein Plus von 0,8 zu erwarteten 0,3 Prozent), zur Industrieproduktion (0,6 statt erwarteter 0,5 Prozent) und zur Entwicklung auf dem Immobilienmarkt (der NHAB-Index stieg auf den höchsten Stand seit Februar 2007) überzeugen und gaben etwas Entwarnung in Sachen Konjunkturabschwung. Aktuell schlägt das Pendel also eher in Richtung Stillhalten der Fed aus.

Dies bedeutet aber wiederum, jede auch noch so kleine, aber offensive Äußerung sollte sich positiv auf den Goldpreis auswirken, welcher nur darauf wartet, seinen Seitwärtstrend zwischen 1.590 und 1.625 US-Dollar zu verlassen. Nach unten scheint mir das Edelmetall vor dem Hintergrund der von mir erwarteten Notenbankpolitik sehr gut abgesichert. Die Chancen auf einen Ausbruch nach oben und einen mittelfristigen Anstieg in Richtung der alten Hochs halte ich deshalb weiterhin für wahrscheinlicher. Unterstützung hierfür könnte auch vom Euro kommen, welcher meiner Meinung nach erste Stabilisierungstendenzen zeigt.

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