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Euro steckt im Abwärtstrend - Die Politik ist rat- und tatenlos

Euro steckt im Abwärtstrend - Die Politik ist rat- und tatenlos

2012-07-10 10:44:00
Research, Analysten-Team
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Torsten Gellert, Managing Director FXCM Deutschland - 10. Juli 2012

Finanzminister Schäuble brachte es heute Nacht um zwei Uhr nach dem ersten Tag des Treffens der Euro-Gruppe auf den Punkt: „Die Märkte hätten es gern schneller. Aber die Politik braucht nun mal ihre Zeit.“ Und Zeit ließen sich die Finanzminister, um einerseits über Personalfragen zu entscheiden und sich andererseits erst einmal darüber klar zu werden, was ihre Chefs auf dem EU-Gipfel Ende Juni eigentlich alles beschlossen hatten. Aber die Finanzmärkte haben diese Zeit eben nicht. Allen voran der Euro wartet nicht ab: Auf die kurze Erholung nach der Nacht von Brüssel auf knapp 1,27 US-Dollar folgte der Absturz in Richtung altes Tief unter 1,23 US-Dollar. Und damit wird es für die Gemeinschaftswährung immer schwerer, sich aus dem seit Mai vergangenen Jahres andauernden Abwärtstrend von 1,50 US-Dollar zu befreien. Im Gegenteil: Für mich spricht derzeit vieles dafür, dass die nächste Marke nun das Tief aus dem Juni 2010 bei 1,19 US-Dollar sein wird.

Schnell in diese Richtung könnte es gehen, sollte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die Verfassungsmäßigkeit des Fiskalpaktes und des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) in Frage stellen. Die Verhandlung beginnt heute. Sollte nun schon etwas nach außen dringen, was in diese Richtung geht, könnte dies für Unruhe an den Märkten sorgen. Und das ist nur eine von vielen Baustellen und in meinen Augen noch die unproblematischste. Viel entscheidender sprechen für einen weiter sehr schwachen Euro sowohl die Verfassung der Wirtschaft in der Eurozone als auch die Lage der Weltkonjunktur.

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Und da reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Die Einkaufsmanagerindizes als Stimmungsindikatoren liegen in den wichtigsten Regionen dieser Welt mittlerweile unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, was nichts Gutes für die nächsten Monate erwarten lässt. Der Konjunkturmotor China stottert, die Preise im Reich der Mitte sind im Juni mit 2,2 Prozent nur noch so leicht gestiegen wie das letzte Mal Anfang 2010. Damit wird es immer unwahrscheinlicher, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr wie von der Regierung als Minimum vorgegeben um 7,5 Prozent wachsen wird. Der amerikanische Arbeitsmarkt kommt nicht in die Gänge, erst vergangenen Freitag wurden die Märkte mit nur 80.000 neu geschaffenen Stellen enttäuscht. Erwartet und erhofft wurden mehr als 100.000. Auch für Deutschland als Stabilisator in der Eurozone wird es im zweiten Halbjahr sehr schwer werden, sich gegen die Krise der südeuropäischen Nachbarn und gegen eine nachlassende Exportnachfrage zu stemmen.

Dieses Gemisch aus sich verschlechternden Wirtschaftsdaten und einer immer weiter schwindenden Hoffnung auf Besserung lässt die Risikoneigung der weltweiten Investoren weiter sinken und ihr Geld in sicheren Häfen wie Dollar und Yen oder auch vermeintlich sicheren Häfen wie deutschen und nun auch verstärkt französischen Staatsanleihen zu parken. Mit immer näher rückenden Eurobonds oder Konstruktionen, die so aussehen, aber nicht so heißen, werden allerdings auch letztere ihre Gütesiegel verlieren. Und verlieren wird nach meiner Ansicht auch der Euro, denn mir fallen aktuell keine Argumente ein, die das Vertrauen in die Währung wieder herstellen könnten. Kurzfristige Rettungsmaßnahmen erwarte ich allerhöchstens von der EZB, die dann doch über kurz oder lang wieder Staatsanleihen der Krisenländer aufkaufen wird, um den Zinsdruck zu lindern. Dieses löst aber wohl kaum die Strukturprobleme und wird deshalb auch nur für kurze Erholungen des Euro im Abwärtstrend sorgen, die weiter für Short-Spekulationen genutzt werden können.

Ich habe diesen Kommentar mit einem Zitat von Finanzminister Schäuble begonnen, also soll er auch mit einem solchen enden, das noch einmal belegt, wie hilflos die Politik in der aktuellen Situation zu sein scheint. Auf die Frage, warum die Beratungen in Brüssel so lange dauerten, antwortete er: „Wir haben uns gegenseitig vergewissert, dass wir das alles so meinen, wie die Staats- und Regierungschefs es gesagt haben. Und das haben wir uns eben öfters gesagt.“

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Torsten Gellert, Managing Director FXCM Deutschland - 10. Juli 2012

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