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Implizite Volatilität im Optionshandel

Implizite Volatilität im Optionshandel

2019-08-04 17:22:00
DailyFX, Analysen
Teile:

(DailyFX.de – Frankfurt am Main) -Beim Handel mit Optionen spielt die implizite Volatilität, anders als bei CFDs, eine bedeutende Rolle für die Preisentwicklung von Optionen. Daher ist ein tiefergehendes Wissen unabdingbar. Zudem lassen sich mit der impliziten Volatilität, auch interessante Handelsstrategien umsetzen.

Was ist implizite Volatilität und wie wirkt sie auf den Optionshandel?

Der Begriff „Volatilität“ oder umgangssprachlich „Vola“ verängstigt zunächst den Laien. Anfänger machen daher oft einen großen Bogen um das Thema Volatilität. Das Konzept der statistischen Volatilität (auch: Schwankungsbreite), sollte jedoch kein Buch mit sieben Siegeln für Sie sein. Daher werden wir uns im Folgenden näher damit befassen und dem Einfluss der Volatilität aufs Trading nachgehen.

Wichtigste Gesprächspunkte

  • Im ersten Abschnitt wird das Konzept der Volatilität ausführlich erklärt. Hierbei wird der Fokus auf die implizite Volatilität gelegt. Darüber hinaus wird der Frage nach gegangen, warum Trader bzw. Anleger das Konzept der Volatilität verstehen sollten.
  • Im zweiten Abschnitt wird eine Volatilitäts-Strategie für den Optionshandel vorgestellt. Bei der Strategie wird die Korrelation zwischen implizite Volatilität und Aktienindices ausnutzt.
  • Der Beitrag wird im dritten Abschnitt mit einem Fazit abgerundet in dem, die Inhalte zusammenfassend wiedergegeben werden.

Was versteht man unter dem Begriff „Volatilität“?

Die Volatilität ist das Maß für die Schwankungen eines Kursverlaufs. Die Volatilität wird üblicherweise in Prozent angegeben, da relative Schwankungen für den Trader aussagekräftiger sind, als absolute Veränderungen. In der Kapitalmarkttheorie wird zwischen der historischen und der impliziten (also der zukünftig erwarteten) Volatilität unterschieden. Beide Herangehensweisen werden sowohl in der Praxis als auch in der Theorie angewendet und dienen, neben der technischen und fundamentalen Analyse, als wichtiges Tool zur Kursanalyse.

Wie beeinflusst die implizite Volatilität den Optionshandel?

Beim Optionshandel wird auf zukünftig steigende oder fallende Kurse der Basiswerte spekuliert. Entscheidend für die Kurse der Optionen ist daher die erwartete Volatilität des Basiswertes der Zukunft. Die implizite Volatilität lässt sich nicht sofort errechnen, kann aber über Volatilitätindizes auf Basis von Optionen auf das jeweilige Underlying abgeschätzt werden.In diese Schätzungen fließen Werte der historischen Volatilität, die Restlaufzeit, voraussichtliche Entwicklung von Zinsen und Basiswert, als auch die Anzahl gehandelter Call- und Put-Optionen ein.

Je höher die implizite Volatilität eines Basiswertes, desto höher ist das Chance-Risiko-Verhältnis und desto „teurer“ ist eine Option. Denn: Je höher die Schwankungsbreite, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Option am Ende der Laufzeit in den Gewinn läuft. Geht die Volatilität allerdings zurück, wird dies unwahrscheinlicher und daher hat die Option einen geringeren Wert.Deswegen können Sie bei Optionen auch beobachten, dass sich der Kurs einer Option verändert, obwohl der Basiswert sich nicht bewegt. Eine sich verringernde Volatilität des Basiswerts bedeutet einen sinkenden Options-Kurs. Entsprechend führt eine sich erhöhende Volatilität dazu, dass der Kurs einer Option steigt.

Beispiel: Einfluss der impliziten Volatilität auf Optionen

Die folgende Darstellung soll den Einfluss der Volatilität auf den Optionshandel verdeutlichen. Dabei spielt es eine große Rolle, ob die Volatilität hoch oder niedrig ist. Nach der Darstellung folgt eine kleine Erklärung.

Implizite Volatilität im Optionshandel

Quelle: Eigene Darstellung

In Fall 1 schwankt das Wertpapier 1 im Vergleich zu Fall 2 eher wenig. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass der Anlagewert über den Basispreis von 10 Euro steigt. Im zweiten Fall schwankt das Wertpapier 2 stark. Entsprechend höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Anlagewert über den Basispreis von 10 Euro steigt. Der Zeitwert des Calls bzw. die Prämie wird folglich bei geringer Volatilität kleiner sein als im Vergleich zu einer hohen Volatilität. Die Risiken bei einer hohen Volatilität sind logischerweise auch höher.

Implizite Volatilitätsindizes

Der Vorteil von Volatilitätsindizes liegt darin das, zusätzlich zur historischen Schwankungsbreite, auch die von den Marktteilnehmern am Optionsmarkt erwartete zukünftige Schwankungsbreite für das jeweilige Underlying abgeschätzt werden kann. Somit kann die Einbeziehung von Volatilitätsindizes in das Tradingkalkül hilfreich sein. In den Medien hört man selten das Thema implizite Volatilität. Wenn überhaupt wird vom sogenannten „Angstbarometer“ gesprochen.

VIX und Co.

Volatilitätsindizes existieren für unterschiedliche Underlyings und Assetklassen. Der bekannteste Volatilitätsindex ist der volatility index” kurz: VIX. Der VIX misst die Volatilität des wohl wichtigsten Börsenbarometers der Welt, des S&P 500. Im Forexmarkt, kann die implizite Volatilität für den z.B. EUR/USD über den EUVIX ermittelt werden. Für den sicheren Hafen Gold und fürRohöl, kann über die Volatilitätsindizes der CBOEdie implizite Schwankungsbreite ermittelt werden (mit den Kürzeln „GLD“ für Gold und „OVZ“ für Rohöl). Entsprechend gibt es auch den VDAX-NEW für den DAX, der einallgemeines Stimmungsbild der Marktteilnehmer verdeutlicht.

Implizite Volatilität im Optionshandel

VDAX-NEW: Das deutsche Angstbarometer

Der VDAX-NEW misst die implizite Volatilität für den deutschen Leitindex (DAX) für den Zeitraum der nächsten 30 Tage und wird in annualisierter Form angegeben. Volatilitätsindizes wie der VDAX-NEW werden zwar oft nur als Angstbarometer wahrgenommen, das stimmt allerdings nur teilweise. Genauso, wie der VDAX-NEW richtigerweise als Angstbarometer gesehen werden kann, ist er natürlich auch ein Euphorie-Barometer. Gerade in Trendwenden wird dies häufig sichtbar.

Die Berechnung ist vergleichbar mit der des VIX. Bei der Ermittlung liegen die an der Terminbörse EUREX gehandelten „at-the-money“- und „out-of-the-money“-DAX-Optionen zu Grunde. Ein hoher VDAX-NEW-Wert weist auf einen unruhigen Markt hin, niedrige Werte lassen eine Entwicklung ohne starke Kursschwankungen erwarten. Der VDAX-NEW wird börsentäglich auf Minutenbasis seit dem 18. April 2005 von 9:15 bis 17:30 Uhr ermittelt.

Kursentwicklung des VDAX-NEW im Zeitraum 08/2015 – 03/2019

Implizite Volatilität im Optionshandel

Praktischer Nutzen der impliziten Volatilität im Optionshandel

Auf Basis von Volatilitätindizes wie z.B. dem VDAX-NEW, kann die erwartete hypothetische tägliche Schwankungsbreite ermittelt werden. Dabei handelt es sich natürlich um einen Schätzwert. Wird angenommen, dass die Renditeverteilung des DAX normalverteilt ist, kann die Schwankungsbreite für einen beliebigen Zeitraum bis zu 30 Tage in die Zukunft geschätzt werden. Unter der getroffenen Normalverteilungsannahme, schwankt der DAX mit einer Wahrscheinlichkeit von 68% (1 Standardabweichung) im ermittelten Kurskorridor. Anhand des folgenden Trading-Beispiel wird dies anschaulich verdeutlicht.

Trading-Strategie: Implizite Volatilität im Optionshandel für sich nutzen

In diesem Beispiel veranschaulichen wir Ihnen, wie Sie die implizite Volatilität anhand des DAX 30 im Trading praktisch anwenden können. Für den 01.03.2019 schätzten wir eine erwartete tägliche Schwankungsbreite auf Basis des VDAX-NEW von 95.38 Punkten. Somit könnte hypothetisch erwartet werden, dass sich der DAX am 01.03.2019 mit einer Wahrscheinlichkeit von 68% im Bereich zwischen 11.679 Punkten und 11.488 Punkten bewegen könnte. Diese kleine Hilfestellung können wir nun für die Wahl eines geeigneten Knockout-Levels verwenden. Gehen wir davon aus, dass der Markt die heutige DAX-Obergrenze nicht durchbrechen wird. So können wir mit einer Barrieroption vom Broker IG mit einem Knockout-Level oberhalb der heutigen erwarteten DAX-Obergrenze von 11.679 Zählern unser Risiko an der Oberseite begrenzen.

Erwartete Schwankungsbreite auf Basis des VDAX-NEW

Implizite Volatilität im Optionshandel

Im Folgenden DAX-Chart auf 15 Minutenbasis vom 01.03.2019 ist zu erkennen, dass der deutsche Aktienindex im Tagesverlauf die ermittelte DAX-Obergrenze bei 11.679 Punkten nicht überwinden konnte. Vielmehr fungierte die ermittelte Tagesobergrenze, gemeinsam mit dem oberen Bollinger-Band, als Widerstand und setzt damit weitere Verkaufssignale frei. Die Berücksichtigung der ermittelten täglichen Schwankungsbreite konnte uns somit einen guten Hinweis für die Platzierung unseres Einstieges geben.

DAX in Kombination mit Bollinger-Bänder und VDAX-NEW

Implizite Volatilität im Optionshandel

Genauso hätte man hier auf einen Volatilitätsausbruch spekulieren können. Da die detaillierte Darlegung sämtlicher Volatilität-Strategien im Rahmen dieses ersten Artikels nicht behandelt werden kann, belassen wir es hier zur impliziten Volatilität bei obigem Fall als Trading-Beispiel.

Korrelation zwischen DAX und VDAX-NEW

Es kann eine Korrelation zwischen DAX und VDAX-NEW beobachtet werden. Bei grober Betrachtung fällt der DAX schnell, wenn die Volatilität stark ansteigt. Vice-versa erhält der DAX rasch Auftrieb bei schnell sinkendem VDAX-NEW. In übergeordneten Zeiteinheiten kann daher von einer negativen Korrelation ausgegangen werden. Unterschiedliche wissenschaftliche Studien zu diesem Thema konnten dies bestätigen. Daher spielen auch Trendwenden in impliziten Volatilitätsindizes wie dem VDAX-NEW eine wichtige Rolle für das Timing von Handelsentscheidungen. Kombiniert mit einer sorgfältigen technischen Analyse können hierdurch Trading-Setups für Ein-und Ausstiege bestimmt werden. Anhand der folgenden Darstellung kann der negative Zusammenhang nachvollzogen werden.

Korrelationschart: DAX und VDAX-NEW

Implizite Volatilität im Optionshandel

Fazit:

Für den Handel mit Optionen ist das Verständnis über die statistische Volatilität sehr wichtig. Wir konnten zeigen, dass der Einsatz der Volatilitätsanalyse zusammen mit der technischen Analyse eine Kombination ist, die bei der Entscheidungsfindung helfen kann. Um eine individuelle Marktidee auf Basis von Optionen umzusetzen, sollte die Analyse der historischen, aber vor allem der impliziten Volatilität einbezogen werden.

Weitere Informationen zum Optionshandel

In unseren Live-Webinaren lernen Sie, mit der Volatilität umzugehen. Melden Sie sich kostenfrei an. Unsere DailyFX Analysten stehen Ihnen für Fragen gerne zur Verfügung. Wenn Sie mehr zu Optionen erfahren möchten, könnte Sie der folgende Beitrag, "Top Tipps für das Options-Trading“, interessieren.

Neulinge aber auch Fortgeschrittene können ihr Wissen mit dem Beitrag: "Was sind Optionen und wie werden sie gehandelt?" vertiefen.

Wer noch nicht sicher ist welche Optionsart die richitge für ihn ist, sollte unseren Beitrag:" Barrier Options vs. Vanilla Options" lesen.

Twitter: @salahbouhmidi

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