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Events, dear Boy, Events (Ereignisse, mein Lieber, Ereignisse)

Das ist ein Zitat, das oft dem ehemaligen britischen Premierminister Harold Macmillan als Antwort auf die Frage, vor was er am meisten Angst habe, zugerechnet wird. Trader sollten dies beachten, denn „Events“ bieten eine Gelegenheit Geld zu machen und es ebenso schnell auch zu verlieren.

Worum geht es hierbei also? Nun, die Ungewissheit im Zusammenhang mit allen möglichen Entwicklungen – von einer wichtigen Datenveröffentlichung, wie dem monatlichen Bericht vom Arbeitsmarkt in den USA, bis zu einer Zinsentscheidung einer Notenbank oder Parlamentswahlen. Der Sieg Donald Trumps bei den Präsidentschaftswahlen in den USA 2016, der Ausgang des Brexit-Volksentscheids in Großbritannien, die EU zu verlassen, im gleichen Jahr und das unschlüssige Ergebnis der Bundestagswahlen 2017 in Deutschland sind Beispiele für Entwicklungen – „Events“ –, die viele Leute überraschten.

Aus Trading-Perspektive sind solche Ereignisse wirklich wichtig. Wenn der Bericht vom US-Arbeitsmarkt besser oder schlechter als erwartet ausfällt, bewegen die Märkte sich stark. Wenn eine Notenbank eine unerwartete Zinserhöhung oder Zinssenkung ankündigt, werden sie dies ebenfalls tun. Und auch wenn eine Wahl oder Volksabstimmung nicht gemäß den Umfragen ausgeht, werden sich die Märkte heftig bewegen.

Ereignisse sind wirklich wichtig

Kurz gesagt: Ereignisse sind wirklich wichtig, weil die Kurse von Anlagewerten heftig auf sie reagieren. Viel schwieriger zu beantworten ist hingegen die Frage, wie sie reagieren werden. In manchen Fällen ist die Reaktion vorhersehbar: Denken Sie an den Absturz des Britischen Pfunds als die Briten sich für einen Ausstieg aus der EU entschieden oder den Crash des Euro gegenüber dem Schweizer Franken 2015 als die Schweizerische Nationalbank den festen Wechselkurs – „Währungsbindung“ – zwischen den beiden Währungen aufhob.

Was die Daten betrifft, stärken besser als erwartete Wirtschaftsdaten im Allgemeinen die nationale Währung, da man der Argumentation folgt, dass eine gute Konjunkturlage den Geist einer strafferen Geldpolitik beschwört – also höhere Zinsen oder eine Reduzierung geldpolitischer Anreize – was die Währung attraktiver werden lässt. Ein schwächer als erwartetes Ergebnis hat den umgekehrten Effekt.

Die Reaktion wird aber davon abhängen, welcher Vermögenswert gehandelt wird. Es besteht bei Verfassen dieses Artikels zum Beispiel eine „inverse Korrelation“ zwischen dem Britischen Pfund und dem Londoner Aktienmarkt. Eine Aufwärts- bzw. Abwärtsbewegung des Pfunds wird also normalerweise von einer Bewegung des FTSE 100 Index der wichtigsten Londoner Aktienkurse in die entgegengesetzte Richtung begleitet.

Es kommt auch auf die Positionierung an, denn wenn die meisten Trader in einer Anlageform „Long“ sind – sie erwarten, dass der Preis bzw. Kurs steigt – und eine Wirtschaftsmeldung schlechter als erwartet ausfällt, werden die resultierenden Verluste weit größer sein, als wenn Trader „Short“ sind, also sowieso einen fallenden Preis bzw. Kurs erwarten. Das Risiko kann daher „asymmetrisch“ sein. Das heißt, eine positive Überraschung kann eine Bewegung um, sagen wir einmal, das Doppelte einer negativen Überraschung mit sich bringen.

Meldungen traden

Dennoch ist das Trading von Meldungen eine absolut akzeptable Strategie, solange Sie wissen, welche Meldungen wichtig sind und welche nicht. Notenbanksitzungen zur Entscheidung der Geldpolitik sind zum Beispiel immer wichtig – aber bisweilen eben wichtiger als sonst. Notenbankvertreter bemühen sich zunehmend einen Ausblick zu geben, so dass die Märkte in die richtige Richtung gelenkt werden.

Das bedeutet aber nicht, dass es zu keiner Reaktion kommt, denn die Nuancen dessen, was die Notenbankvertreter sagen, sind wichtig. Es bedeutet, dass eine heftige Kursbewegung im Anschluß weniger wahrscheinlich ist, außer natürlich der Ausblick wurde fehlinterpretiert oder er war schlicht und ergreifend falsch. Dennoch, bei einer geldpolitischen Sitzung einer Notenbank, bei der wir uns fast sicher sind, dass sich nichts ändern wird, und für die keine Pressekonferenz angesetzt wird, ist es unwahrscheinlich, dass sie heftige Kursbewegungen auslösen wird. Mit anderen Worten: Als Trader müssen Sie wissen, was wichtig ist und was nicht.

Es ist auch wichtig zu verstehen, dass manche „Ereignisse“ nur einen Markt bewegen, während andere alle von ihnen bewegen können. Meldungen über einen überraschend starken Anstieg der Ölbestände können zum Beispiel den Ölpreis schwächen, ansonsten aber nur geringe Auswirkungen haben. Meldungen über eine nicht vorhergesehene Zinsanhebung, insbesondere in den USA, werden sich auf jeden Markt überall auswirken.

Eine Zinsanhebung in den USA entgegen der Prognosen, würde nicht nur den Dollar in die Höhe schießen lassen, sondern fast mit Gewissheit auch den Goldpreis und den Preis anderer Rohstoffe schwächen, Aktienpreise abstürzen lassen und die Preise von US-Staatsanleihen – „Treasuries“ oder „Schatzbriefe“ – fallen lassen, da ihre Renditen steigen. Es würde ganz gewiss auch eine internationale Reaktion geben. Die Aktienkurse würden weltweit der Wall Street und die globalen Anleihenkurse den Schatzbriefen nach unten folgen.

Warum Eventrisiko zählt

Um es vereinfachend zu sagen: Die globalen Märkte stehen alle untereinander in Verbindung – wenn einer sich bewegt, können sich auch andere bewegen und es macht keinen Sinn, von einer Long-Position im Dollar zu profitieren, wenn man gleichzeitig aufgrund einer Long-Position in Gold verliert, weil man vergessen hat, dass die beiden Anlagen sich häufig in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Ein vernünftiger Plan wäre daher zu entscheiden, ob es wahrscheinlich ist, dass ein Event einen Unterschied macht, es in einen Kontext zu bringen und sich dann zu möglichen Szenarien Gedanken zu machen.

Wie sehen die Folgen aus, wenn dies geschieht? Was passiert, wenn das geschieht? Bin ich bullisch und erwarte, dass die Kurse in einem bestimmten Markt steigen, oder bin ich bärisch und erwarte, dass sie fallen? Was ist größer: Das Aufwärtsrisiko oder das Abwärtsrisiko? In welchen Markt geht man am besten? Devisen, Aktien, Anleihen oder Rohstoffe?

Beachten Sie, dass die Betonung hier auf dem Wort „Überraschung“ liegt und wir es schon mehrmals verwendet haben. Was zählt ist nicht so sehr das, was geschehen ist, sondern was erwartet wurde, was geschehen würde. Wenn zum Beispiel in Großbritannien die Zinsen erhöht werden, dann kann man erwarten, dass das Pfund gestärkt und die Londoner Aktien geschwächt werden. Das geschieht aber nur, wenn die Entscheidung überraschend kommt. Falls dem nicht so ist und die Entscheidung „bereits eingepreist“ war, wird es nur eine schwache Reaktion geben. Falls eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt prognostiziert war und die tatsächliche Zinsanhebung nur ein Viertel eines Prozentpunktes ausmacht, dann würde das Pfund mit annähernder Gewissheit nachgeben und die Aktienkurse würden steigen,

Hier sehen Sie, was mit dem Pfund geschah, als Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, im Februar 2018 unerwartet ankündigte, dass die britische Geldpolitik wahrscheinlich etwas früher und etwas stärker gestrafft werden müsste als die Notenbank im November 2017 noch erwartet hatte.

GBP/USD-Kurschart – Fünf-Minuten Zeitrahmen (8. Februar 2018)

GBP/USD-Kurschart

Chart von IG

Es ist wichtig, dass Sie verstehen, was genau eine Überraschung ist. Manche Zahlen, wie etwa die US-Arbeitsmarktdaten, lassen sich nur schwer vorhersagen. Wenn dann also eine Zahl kommt, die um 10.000 höher oder niedriger als die Prognose ist, ist eine starke Marktreaktion unwahrscheinlich. Sollte der Wert aber um 60.000 höher oder niedriger liegen, sind heftige Kursbewegungen danach weit wahrscheinlicher.

Es gibt auch andere Feinheiten. Die Aufmerksamkeit gilt bei dem Arbeitsmarktbericht in den USA vor allem den „Non-Farm Payrolls“, also der Veränderung der Beschäftigten in den USA außerhalb des landwirtschaftlichen Sektors. Die anfängliche Reaktion auf den monatlichen Arbeitsmarktbericht erfolgt daher generell in Hinsicht auf diesen Wert. Es wird jedoch zur gleichen Zeit auch eine Vielzahl anderer Statistiken veröffentlicht und die anfängliche Reaktion kann sich sehr schnell umkehren, wenn Datenanalysten etwas finden, das in die andere Richtung weist, vieleicht in den Arbeitslosenzahlen oder den Revisionen der vorhergehenden Veröffentlichungen.

In der Tat kommt es recht häufig vor, dass die Märkte sich nach Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten scharf in eine Richtung bewegen, nur um sich dann scharf in die andere Richtung zu bewegen, nachdem die Statistiken sorgfältiger analysiert wurden – und das alles innerhalb von Minuten.

Modetrends beim Eventrisiko

Auch bei den Wirtschaftsmeldungen gibt es Modetrends. Vor langer Zeit waren es die internationalen Handelszahlen, die die Finanzmärkte bewegten. Später waren es dann Daten zum Geldangebot. Heute dreht sich alles um die Notenbanken und ihre wahrscheinlichen, zukünftigen Entscheidungen zu Zinsen und die Geldpolitik im Allgemeinen. Heute inspirieren Handelszahlen die Marktvolatilität generell nur wenig, während dies bei Inflationsdaten stärker der Fall ist. Weiterhin ist es, wenn ein Wert als unzuverlässig gilt, wie die monatlichen Durable Goods Orders in den USA, weniger wahrscheinlich, dass eine überraschende Statistik eine Marktreaktion hervorruft.

Die Mode kann sich sogar in Hinblick auf eine konkrete Meldung ändern. In den Berichten vom britischen Arbeitsmarkt galt die Aufmerksamkeit bis vor kurzem der Arbeitslosenquote. Inzwischen hat sich die Aufmerksamkeit aber weitgehend auf die Durchschnittslöhne verschoben, da diese für Inflation, Konsum und somit das Wirtschaftswachstum von Bedeutung sind.

Es ist auch wichtig, zwischen „harten“ und „weichen“ Daten zu unterscheiden. „Harte“ Daten, im Allgemeinen offiziellen Statistiken, sind tendenziell rückblickend. Daten für das Wirtschaftswachstum, die im Januar veröffentlicht werden, gelten beispielsweise für den Zeitraum Oktober bis Dezember. „Weiche“ Daten, die typischerweise von Unternehmen im Privatsektor veröffentlicht werden, können weniger zuverlässig sein, sind häufig aber zukunftsgerichtet und enthalten Erwartungskomponenten.

Zusammenfassend können wir also sagen, dass sog. Event-Trading äußerst lohnenswert sein kann, aber auch Verluste bringen kann. Vorbereitung ist der Schlüssel. Finden Sie, wie immer in den Märkten, heraus, was wichtig ist – was wahrscheinlich Volatilität auslöst – und was nicht. Entscheiden Sie, ob der Konsens, der im Allgemeinen aus Erhebungen unter Wirtschaftsexperten oder Umfragen gebildet wird, richtig ist. Falls nicht, in welche Richtung ist er falsch? Welche Anlageform wird am wahrscheinlichsten reagieren? Was ist das Aufwärts- und Abwärtspotenzial? Ist das Risiko einer Bewegung in die entgegengesetzte Richtung größer oder geringer? Wie ist der Markt positioniert?

Mit anderen Worten: Erwartete Ereignisse („Events“) können Chancen bieten und unerwartete Ereignisse können selbst die am besten geplanten Strategien ruinieren.