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Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

2014-05-16 15:49:00
Marc Zimmermann, Junior Währungsanalyst
Teile:

(DailyFX.de) – Mit Abenomics wird die Wirtschaftspolitik des japanischen Premierministers Shinzo Abe bezeichnet. Abe, der am 26. Dezember 2012 sein Amt antrat, startete im Januar 2013 Maßnahmen um die seit mehr als zwei Jahrzenten andauernde Wirtschaftskrise in Japan zu überwinden.

Um dies zu bewerkstelligen, greift Abe auf verschiedene Maßnahmen zurück, die er seine „drei Pfeile“ nennt. Jeder der „Pfeile“ stellt einen Teil seiner Wirtschaftspolitik dar, die in Kombination Japan aus der Krise hebeln sollen.

Japans Krise

Zu Beginn der 1900er Jahre platze in Japan eine Blase, deren Bildung durch Spekulationen am Aktienmarkt mit beliehenen Immobilien entstand. Durch die damalige Aufwertung des Yen durch das Plaza-Abkommen, investierten Ausländer vermehrt in die japanische Wirtschaft. Der Zusammenbruch dieser Blase führte Japan in eine bis heute andauernde Deflationsspirale.

Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

Die Auswirkungen auf die japanische Wirtschaft sind in der Entwicklung des Nikkei seit den 80er Jahren klar zu erkennen:

Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

Chart erstellt mit FXCMs Trading Station II / Marketscope

Die Legende der drei Pfeile

Mori Motonari war ein mächtiger Daimyo (Fürst) im Japan des 16. Jahrhunderts. Er hatte drei Söhne von denen er wollte, dass sie zusammenarbeiten. Eines Tages gab Mori jedem seiner Söhne einen Pfeil und wies sie an diese zu zerbrechen. Nachdem jeder der drei Söhne seinen Pfeil zerbrochen hatte, wies Mori sie an, drei Pfeile auf einmal zu zerbrechen. Es stellte sich heraus, dass dies keinem seiner Söhne gelang und so erklärte Mori, dass ein Pfeil alleine einfach zu zerbrechen ist, jedoch drei zusammenhaltende Pfeile widerstandsfähiger seien.

Diese Legende ist in Japan noch heute populär und erklärt Abes Gedanken hinter seiner Wirtschaftspolitik. Was sind also die drei Pfeile die Abe nun verschießt?

Der erste Pfeil – Expansive Geldpolitik / Quantative Easing

Um für eine expansive Geldpolitik zu sorgen, setzte Abe im März 2013 Haruhiko Kuroda als neuen Präsidenten der Bank of Japan ein. Die neue expansive Geldpolitik soll innerhalb von 2 Jahren bis Ende 2014 1,4 Billionen Dollar in die japanische Wirtschaft pumpen, größtenteils durch den Ankauf von Staatsanleihen, börsengehandelter Indexfonds und Immobilienfonds. Dadurch soll eine Abwertung des Yen herbeigeführt werden und Inflation (künstlich) erzeugt werden. Japan, eine Wirtschaft mit Exportcharakter reagiert damit unter anderem auch auf die expansive Geldpolitik der Fed, durch die der US-Dollar gegenüber dem Yen abwertete (der Yen somit relativ aufwertete).

Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

Quelle: Bank of Japan

Wie man auf der obigen Bilanz der Bank of Japan sieht, wird der größte Teil der expansiven Gelpolitik durch Ankäufe von japanischen Staatsanleihen (JGB- Japan Government Bonds) getätigt, sodass die BoJ ihre Bilanzsumme bis Ende 2014 nahezu verdoppeln wird.

Der zweite Pfeil – Fiskalpolitik

Um zusätzlich die Realwirtschaftlich zu erreichen, bedient sich Abe eines Konjunkturprogramms, das durch Staatsinvestitionen in großem Umfang für neue Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum sorgen soll.

Dies lässt sich leicht mit dem Staatsausgabenmultiplikator veranschaulichen:

Y = C + I + G

Y: gesamtwirtschaftliche Nachfrage, BIP

C: Konsumnachfrage

I: Investitionen

G: Staatsausgaben

Abe erhöht also die Staatsausgabe (G), was zu einer Erhöhung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (Y) führen soll.

Das Geld für diese Staatsausgaben kommt von der Bank of Japan, die in ihrer expansiven Geldpolitik hauptsächlich japanische Staatsanleihen kaufte (siehe erster Pfeil). Diese massiven Käufe führten zu einem Fall des Zinses der Staatsanleihen, also hat die Bank of Japan dem japanischen Staat quasi günstiges Geld geliehen, dass dieser nun als Staatsausgaben in Infrastruktur, Bildung und den öffentlichen Sektor investiert.

Der dritte Pfeil – Strukturreformen

Von den drei Pfeilen birgt der dritte die meisten Gefahren für den Erfolg der Abenomics. Die Strukturreformen umfassen unter anderem die Empfehlung, die Anlageregeln für Japans öffentliche Rentenfonds dahingehend zu lockern, dass sie einen größeren Anteil an Aktien kaufen als bisher (sie konzentrierten sich vorher auf Staatsanleihen, die weniger Rendite aber auch kaum Risiko beinhalten). Zudem setzt Abe auf eine Lohnsteigerung, ohne die sich die kurzfristig angekurbelte Inflation im Nachhinein als Strohfeuer entpuppen könnte, da durch das Ausbleiben einer Lohnsteigerung auch der Weg in eine sogenannte „Lohn-Preis-Spirale“ ausbleiben würde, welche eine Grundlage für Inflation ist. Ob sich dies Umsetzten lässt, hängt vor allem an der Kooperationsbereitschaft der japanischen Unternehmen. Diese Lohnerhöhung soll die private Konsumnachfrage (C) steigern, was wiederum auch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (Y) steigern würde (siehe Staatsausgabenmultiplikator).

Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

Fazit

Nachdem Shinzo Abe nun seine drei Pfeile verschossen hat, bleibt abzuwarten, ob diese ihr Ziel finden. In unserem Forum wird der USD/JPY sowie andere Yen-Crosses und die Entwicklung der japanischen Wirtschaft stets aktuell diskutiert. Täglich aktuelle Analysen finden Sie natürlich auf DailyFX.de.

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Analyse geschrieben von Marc Zimmermann, Junior Marktanalyst bei DailyFX.de

Um Marc Zimmermann zu kontaktieren, sende man eine E-Mail an instructor@dailyfx.com

Folgen Sie Marc Zimmermann auf Twitter: @MarcZimmermanFX

Abenomics - Die Legende der drei Pfeile

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