Das Währungspaar EUR/USD tat sich nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) am 8. Juni schwer Boden zu halten, denn der Notenbank-Vorstand hatte seine Inflationsprognose gesenkt und beabsichtigt, sein Anlagenankaufprogramm mit einem Volumen von monatlich 60 Mrd. Euro während der vorhersehbaren Zukunft fortzusetzen. EZB-Präsident Mario Draghi und seine Kollegen scheinen aber schrittweise den Ton zu ändern, denn die Notenbank-Vertreter erwarten inzwischen, dass die Zinsen im Euroraum „noch längere Zeit auf dem derzeitigen Niveau bleiben werden und deutlich über den Horizont unserer Netto-Anlagenankäufe hinaus“.

Obwohl die EZB keine Eile hat, die Nullzinspolitik (ZIRP) zu beenden, scheinen die Notenbank-Vertreter den defensiven Ausblick für die Geldpolitik abzuschwächen, denn sie erwarten eine stärkere Erholung. Der Vorstand könnte auch eine höhere Bereitschaft zur Drosselung des quantitativen Lockerungsprogramms (QE) während der nächsten Monate an den Tag legen, denn „die Risiken in Hinblick auf den Wachstumsausblick für den Euroraum werden als im Großen und Ganzen ausgeglichen gesehen“. Der Euro-Dollar-Kurs könnte daher die Verluste früher im Jahr weiter wieder gutmachen, wenn die EZB eine größere Bereitschaft zeigt, sich schrittweise aus ihrem Lockerungszyklus zurückzuziehen.

Was die US-Notenbank Federal Reserve betrifft könnten die jüngsten Aktualisierungen der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen und ihrer Kollegen eine größere Korrektur des Währungspaars EUR/USD auslösen, da der Ausschuss auf Kurs für drei Zinsanhebungen im Jahr 2017 zu sein scheint. Die jüngsten Notenbank-Kommentare könnten die Attraktivität des Greenback erhöhen, falls der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) eine detailliertere Exit-Strategie bekannt gibt. Die Fed könnte dennoch einen flacheren Pfad für den Leitzins prognostizieren, denn Vertreter bemerkten, dass „marktbasierte Maßstäbe für die Inflationskompensation niedrig bleiben. Umfrage-basierte Maßstäbe der längerfristigen Inflationserwartungen haben sich demgegenüber nur wenig geändert“. Der Greenback könnte unter Druck geraten, falls der FOMC bestrebt sein sollte, den Normalisierungszyklus weiter hinauszuzögern.

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EUR/USD Tageschart

EUR/USD Daily Chart

Der breitere Ausblick für das Währungspaar EUR/USD bleibt bei einer Verschiebung im Marktverhalten konstruktiv. Das Paar könnte während der nächsten Tage versuchen, neue Monatshochs zu erreichen, solange es sich über der Fibonacci-Überlappung um 1,1140 USD (23,6 Prozent Expansion) bis 1,1160 USD (38,2 Prozent Expansion) halten kann. Die mangelnde Dynamik zum Testen des November-Hochs (1,1299 USD) führt jedoch zu dem Risiko eines kurzfristigen Rücksetzers des Währungspaars EUR/USD, insbesondere da der Relative Strength Index (RSI) aus dem überkauften Bereich herauskommt. Ein Durchbruch/Schluss unter die bzw. unter der kurzfristige(n) Unterstützungszone eröffnet die nächste Abwärtsregion von Interesse um 1,0980 USD (50 Prozent Retracement) bis 1,1020 (50 Prozent Retracement).

IG Sentiment

Die Privat-Trader-Daten zeigen, dass 29,6 Prozent der Trader im Währungspaar EUR/USD Netto-Long sind. Das Verhältnis der Trader Short zu Long steht bei 2,37 zu 1. Die Trader sind bereits seit dem 18. April Netto-Short, als das Währungspaar EUR/USD in der Nähe von 1,06045 USD gehandelt wurde. Seitdem ist es um 6,2 Prozent gestiegen. Die Anzahl der Netto-Long Trader ist 5,8 Prozent höher als gestern und 4,9 Prozent höher als letzte Woche, während die Zahl der Netto-Short Trader 0,5 Prozent höher liegt als gestern und 2,7 Prozent niedriger als letzte Woche.Weitere Information zum Privat-Trader-Sentiment finden Sie in dem neuen, von DailyFX entwickelten Maßstab auf Grundlage der Trader-Positionierung.

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