Bitcoin (BTC) oder Gold? Für Trader sind dies zwei komplett unterschiedliche Märkte. Bitcoin ist eine dezentralisierte, digitale „Peer-to-Peer“ Währung, die zuerst 2009 durch „Mining“ erzeugt wurde. Gold als Edelmetall ist ein materieller Anlagewert, der seit Jahrtausenden hochgeschätzt wird.

Das Inbetrachtziehen der wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Anlageformen ermöglicht es Tradern, fundierte Entscheidungen zu treffen und von Preisbewegungen zu profitieren. Zu den Hauptunterschieden zählen Volatilitätsniveaus, Lager- bzw. Speicherverfahren und die Nachfragequellen.

Es gibt aber auch Ähnlichkeiten, wie die jeweilige Seltenheit. Es kann nur 21 Millionen Bitcoins geben, während es laut jüngsten Schätzungen etwa 180.000 Tonnen Gold in der Welt gibt. Andere Faktoren, wie der Nutzen von Bitcoin und Gold als Währung, sind umstritten. Hier befassen wir uns im Detail mit den wesentlichen Unterschieden, die man kennen muss, um bereit zu sein, Bitcoin oder Gold zu handeln.

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Bitcoin und Gold

1. Volatilität

Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen dem Bitcoin und Gold ist die Volatilität der beiden Anlagewerte. Ein üblicher Maßstab für die Volatilität ist die Average True Range (ATR) (Durchschnittliche echte Spanne), die beschreibt, wie sehr sich ein Markt über einen bestimmten Zeitraum hinweg durchschnittlich bewegt. Die in den Charts unten verwendeten ATRs stammen aus dem Jahr 2016. Dabei gibt jeder eingekreiste Abschnitt die durchschnittliche Spanne der Preisbewegung über die vorherigen 14 Tage an.

Average True Range Indikator für Bitcoin und Gold zeigt Perioden mit erhöhter Volatilität

Bitcoin- und Gold-ATR als Prozentsatz des Preises

Monat (14-Tage-Sample)

Bitcoin (ATR als % des Preises)

Gold (ATR als % des Preises)

Differenz

März

3%

2%

1%

Juni

7,7%

1,9%

5,8%

November

3%

1,8%

1,2%

Die ATR für Bitcoin, als ein Prozentsatz des Preises ausgedrückt, liegt im Vergleich zu Gold viel höher. Des Weiteren vergleicht der Chart Bitcoin mit Gold zu einem Zeitpunkt, zu dem Gold volatil war und der Bitcoin eine niedrige Volatilität verzeichnete. Wir können somit folgern, dass der Bitcoin die meiste Zeit tendenziell größere Distanzen zurücklegt, was für mehr Gelegenheiten sorgt, als dies bei Gold der Fall ist.

Bitcoin- oder Gold-Volatilität in der Praxis

2017 zeigte sich die Volatilität des Bitcoins auf dramatische Weise, als er zwischen Januar und Dezember von 1.151 Dollar auf 19.783 Dollar stieg. Er stürzte dann bis Februar 2018 auf 5.951 Dollar ab, bevor er innerhalb von Tagen wieder bis auf 11.537 Dollar zulegen konnte. Dramatischere Spitzen zeigten sich im weiteren Jahresverlauf.

Der Goldpreis wies in den letzten Jahren eine viel geringere Volatilität auf. Seit 2013 hat sich der Preis recht beständig um 1.225 Dollar und innerhalb einer Spanne von 1.050 Dollar und 1.400 Dollar (Stand: November 2018) gehalten. In der Tat gab es 2017 keinen einzigen Handelstag im Jahr, an dem Gold 2,5 % höher oder tiefer geschlossen hätte, als bei Handelsschluss am Vortag − etwas, das schon seit 1996 nicht mehr geschehen war.

2. Speicher- bzw. Lagerverfahren

Ein zweiter Unterschied zwischen Bitcoin und Gold ist die Art und Weise, wie die Werte aufbewahrt werden. Als physischer Anlagewert wird Gold in Tresoren, Schließfächern in Banken und in kleinere Mengen in privaten Safes aufbewahrt. Bitcoins hingegen können nicht auf herkömmliche Weise aufbewahrt werden. Stattdessen wird eine geheime Nummer, die „Private Key“ („Privater Schlüssel“) genannt wird, gespeichert. Dieser ermöglicht es, Bitcoin von einer Partei auf eine andere zu übertragen. Der Kauf von Bitcoin kann extrem gefährlich sein, wenn man keine Hardware- oder Software-Wallet zum Sichern seines privaten Schlüssels verwendet.

Bitcoin-Börsen wurden bereits sehr häufig gehackt, was dazu führte, dass bisher bis zu vier Millionen Coins gestohlen wurden (Fortune, 2017). Solche Hacks können sich negativ auf den Kurs des Bitcoins auswirken, Short-Tradern aber auch Chancen bieten. Diese und andere Marktereignissse werden in der Abbildung unten gezeigt. Sie verdeutlicht die Sensibilität des Bitcoin gegenüber Marktmeldungen und Ereignissen insbesondere in Hinblick auf die Kryptowährung.

Bitcoin-Kurs reagiert auf Rekordhochs, Hacks und andere Marktmeldungen

Bitcoin (BTC) Kurssensibilität gegenüber Marktmeldungen

3. Nachfragequellen

Gold hat als Anlagewert eine Geschichte, die 7.000 Jahre in die Vergangenheit zurückreicht. Seine Nachfragetreiber sind leicht identifizierbar, wie sich dem Chart unten entnehmen lässt. Die Nachfrage nach Bitcoin andererseits ist weniger klar und lässt sich tendenziell auf Kursspekulationen, Buy-to-Hold-Strategien und die zugrundeliegende Blockchaintechnologie an sich zurückführen.

Quellen der weltweiten Goldnachfrage

Gold − Nachfragequellen (2013-2017)

Quelle: World Gold Council, Metals Focus, GFMS-Thomson Reuters

Zusätzlich zu leicht identifizierbaren Quellen der Nachfrage weist der Goldhandel tendenziell Saisonalität auf. Wenn man sich die durchschnittlichen Erträge über einen Zeitrahmen von fünf bis zehn Jahren anschaut, tendieren die Verkäufe dazu im Januar, Februar, Juli und August zu steigen:

Saisonalität in Gold-Charts über einen Zeitrahmen von zehn Jahren

Saisonalität des Goldpreises (2007-2017)

Quelle: Bloomberg (2018)

Der Preisanstieg, der sich im Juli und August beobachten lässt, fällt mit dem Höhepunkt der Schmuckkaufphasen zusammen, insbesondere in Indien. Grund dafür ist, dass das Land einer der größten Märkte für Gold ist, da der Rohstoff weithin als ein Symbol für Wohlstand gilt und bei Hochzeiten und religiösen Ritualen eine zentrale Rolle spielt.

Zusätzlich dazu, dass Gold über leicht identifizierbare Nachfragequellen verfügt, bietet es also auch ein Muster dafür, wann die Nachfrage im Laufe eines Jahres wahrscheinlich höher ist. Demgegenüber verfügt der Bitcoin über keine solch wohldefinierte Nachfragequelle und es bieten sich auch keine Hinweise auf Saisonalität.

4. Der Nutzen von Bitcoin und Gold als Währung

Der Nutzen von Bitcoin und Gold als Währung ist sehr umstritten. Wirtschaftsexperten beschreiben Geld, als ein Instrument, das drei grundlegende Funktionen hat, die alle erfüllt werden müssen: Tauschmittel, Verrechnungseinheit und Wertspeicher.

Tauschmittel

Tauschmittel ist die Fähigkeit von etwas, als eine Währung zum Austausch von Waren und Dienstleistungen verwendet zu werden. Obwohl dies nicht weithin akzeptiert wird, passt diese Beschreibung auf den Bitcoin. Mit Stand November 2018 gab es Unternehmen, die die Kryptowährung akzeptierten, darunter der Reiseveranstalter CheapAir, der Geschenkkartenanbieter Gyft und das US-Unternehmen REEDS Jewelers. Viele andere Unternehmen zeigten Interesse.

Gold wird in modernen Volkswirtschaften hingegen nicht oft als ein Tauschmittel verwendet und gilt im Allgemeinen nicht als gesetzliches Zahlungsmittel.

Verrechnungseinheit

Um die Funktion als Verrechnungseinheit zu erfüllen, muss eine potenzielle Währung „zählbar“ sein, so dass man etwas hat, um die Kosten von Waren und Dienstleistungen miteinander zu vergleichen. Die Voraussetzung einer Verrechnungseinheit wird vom Bitcoin aufgrund der Tatsache erfüllt, dass die Kryptowährung aufteilbar ist. Die meisten Transaktionen sind Bruchteile eines Bitcoins und diese können bis zu acht Dezimalstellen zurückreichen.

Gold lässt sich ebenfalls als Verrechnungseinheit verwenden, da es ebenfalls aufteilbar ist (wenn auch weniger leicht). Sein Wert lässt sich über seinen Wert pro Unze in einer gegebenen Währung auf andere Waren beziehen.

Wertspeicher

Wertspeicher bezieht sich darauf, dass ein Anlagewert für eine zukünftige Verwendung aufbewahrt werden kann. Wenn er in der Zukunft verwendet werden kann, geht man davon aus, dass er Wert im Laufe der Zeit erhält. Demgegenüber sind verderbliche Waren, wie etwa Milch, aufgrund ihrer Neigung zu vergehen, schlechte Wertspeicher.

Skeptiker argumentieren, dass die Kryptowährung keinen Wert hat und lediglich das wert ist, was die nächste Person bereit ist dafür zu bezahlen. Manche sind auch der Überzeugung, dass die Tatsache, dass es nicht möglich ist, ihn physisch anzufassen, sich auf das Feststellen seiner Eignung als Wertspeicher ebenfalls auswirkt.

Zusammenfassend lässt sich argumentieren, dass obwohl der Bitcoin als ein Tauschmittel verwendet wird, weder Bitcoin noch Gold alle drei Funktionen erfüllen, die erforderlich sind, um als „Geld“ zu gelten. Somit erfüllt keiner von beiden Werten vollständig einen Nutzen als Währung.

Wie wirken sich die Unterschiede zwischen Bitcoin und Gold auf Trader aus?

Die Unterschiede zwischen Bitcoin und Gold können sich auf vielerlei Weisen auf Trader auswirken. Unterschiedliche Marktbedingungen, beispielsweise Volatilität und Liquidität, bedeuten, dass Trading-Anbieter häufig über unterschiedliche Stop- und Limitabstandserfordernisse, Margin-Erfordernisse und Geld-/Brief-Spannnen verfügen. Sensibilität gegenüber Nachrichtenmeldungen und Positionsvolumen sind ebenfalls Faktoren, die man beim Trading dieser beiden Märkte besonders in Betracht ziehen muss.

Stops und Limit-Abstände: Ein Daytrading des Bitcoin und von Gold ist zwar möglich, es gibt jedoch Schwellenwerte, die beim Platzieren von Stops und Limits eingehalten werden müssen. Stop-Loss- und Gewinnmitnahme-Niveaus sind aufgrund der höheren Volatilität des Bitcoin, im Allgemeinen für Bitcoin weiter als für Gold. Daytrader ziehen üblicherweise die Average True Range heran, die ihnen hilft zu bestimmen, wie sie diese Order platzieren.

Margin-Erfordernisse: Durch den Broker festgelegte Margin-Erfordernisse sind für den Bitcoin im Vergleich zu Gold normalerweise höher, da der BTC volatiler ist. Trader sollten sich darüber also bei der Entscheidung, welchen Hebel sie verwenden möchten, im Klaren sein.

Geld-/Brief-Spread: Volatile Märkte tendieren zu weiteren Spreads und das gleiche gilt für den Bitcoin im Vergleich zu Gold. Der Spread für BTC ist signifikant weiter als der von Gold, weil der Bitcoin erheblich volatiler ist. Der breitere Spread verursacht höhere Transaktionskosten. Ein Bitcoin-Trader muss dies also bei seinem Trade berücksichtigen.

Ordermakse mit Spreads für Gold und Bitcoin zeigen die Differenz

Odermaske mit Spreads für Bitcoin und Gold

Quelle: IG Group

Sensibilität gegenüber Nachrichtenmeldungen: Der BTC ist gegenüber Nachrichtenmeldungen äußerst sensibel. Trader müssen sich also über unsere Bitcoin-Seite ständig auf dem Laufenden halten. Da Kryptowährungen ein relativ neuer Markt sind, können Meldungen über ihre Übernahme durch Börsen, Banken und Aufsichtsbehörden tendenziell dramatische Auswirkungen haben. Gold reagiert ebenfalls auf Nachrichtenmeldungen, sein Preis tendiert aber dazu sich langsamer zu bewegen als der Bitcoin-Kurs. Der Goldpreis bewegt sich tendenziel im Zusammenhang mit weltweiten Entwicklungen, wenn die Risikobereitschaft steigt oder nachlässt.

Positionsgrößen: Bei DailyFX sprechen wir über ein Risiko von weniger als 5 % Ihres Kontowerts bei allen zur gleichen Zeit offenen Positionen. Solch ein disziplinierter Ansatz ist beim Trading des BTC besonders wichtig für den Fall, dass der Markt sich gegen Sie bewegt. Trader, die diesen Ansatz verfolgen, sind besser darauf vorbereitet, Verluste aufzufangen, ohne ihre Tradingkonten zu gefährden.

Bitcoin und Gold: Zusammenfassung

Bitcoin und Gold haben einige Gemeinsamkeiten, man darf aber nicht über ihre Unterschiede hinwegsehen, insbesondere aus Tradingperspektive. Gold gilt immer noch als ein sicherer Hafen, während Bitcoin als ein besonders volatiler Wert berüchtigt ist. Eine höhere Volatilität bringt die Notwendigkeit einer umfassenderen Risikosteuerung in Form der Positionsgrößenfestlegung und wohldefinierter Stop- und Gewinnmitnahmeniveaus mit sich.

Bitcoin (BTC)

Gold (XAU/USD)

Volatilität

Hoch

Mittel

Nutzen als Währung

Als Tauschmittel akzeptiert, aber kein wirklicher Nutzen als Währung

Kein Nutzen als Währung

Aufbewahrung

Digitale Speicherung (Wallets)

Physische Lagerung (Tresore)

Nachfragequellen

Spekulation

Wohldefiniert

Falls Sie mit dem Daytrading von Gold oder dem Bitcoin beginnen möchten, könnten Sie sich auch hierfür interessieren:

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wird der Bitcoin jemals Gold ersetzen?

Bitcoin und Gold sind sehr unterschiedliche Anlagewerte. Die Kryptowährung kann Gold als ein physisches Edelmetall nicht ersetzen, denn sie ist kein greifbarer Rohstoff, während sie aufgrund ihrer Volatilität Gold als einen sicheren Hafen wohl nicht den Rang ablaufen wird.

Welche anderen Ressourcen kann ich beim Traden von Bitcoin oder Gold nutzen?

Beim Trading von Bitcoin oder Gold nutzen Trader eine Kombination aus technischer und fundamentaler Analyse. Die Preis- bzw. Kursbewegung in der Vergangenheit und kommende Wirtschaftsmeldungen können, wenn sie gemeinsam genutzt werden, Tradern helfen, fundierte Trades einzugehen. Melden Sie sich für eines unserer Webinare an. Dort erhalten Sie Analysen und Updates zum Bitcoin und für andere wichtige Märkte.